Das Weltraumforschungsbereich erlebt durch die Artemis-Mission zum Mond eine Renaissance. Vor allem aufgrund der rasant zunehmenden Anzahl an Satelliten erwartet man für die nächsten Jahre ein signifikantes Wachstum in dieser Branche.
Astronomie-Experten und Fachverbände in den USA äußern Bedenken hinsichtlich der Umweltauswirkungen, die diese Entwicklung mit sich bringt. Ihr Hauptanliegen richtet sich gegen die kommerziellen Satelliten in niedriger Umlaufbahn, die nur wenige hundert Kilometer über der Erde kreisen. Laut dem renommierten Jonathan’s Space Report sind aktuell mehr als 13’000 künstliche Objekte in dieser Umlaufbahn unterwegs, wovon etwa 10’000 zu Elon Musks Starlink-Netzwerk gehören, das weltweite Internetzugang via Satellit ermöglicht.
Elon Musk hat jüngst angekündigt, dass SpaceX bis zu einer Million neuer Satelliten in die Umlaufbahn bringen wird, um globale Rechen- und Datenspeicherlösungen anzubieten. Ebenso plant das kalifornische Unternehmen Reflect Orbital den Start von 50’000 Satelliten bis zum Jahr 2035, deren Ziel es ist, Sonnenlicht auf die Erdoberfläche zu reflektieren.
Die Lichtverschmutzung durch diese zahlreichen Satelliten stellt für Astronomen das größte Problem dar. Ronald Drimmel vom Nationalen Institut für Astrophysik in Turin äußert sich besorgt: “Viele Menschen sind indifferent gegenüber der Erhaltung des Nachthimmels, da sie dessen Verlust bereits akzeptiert haben und daher nur die Vorteile dieser Projekte sehen, ohne deren Kosten zu bedenken.” Drimmel betont weiterhin, dass es heutzutage unmöglich sei, einen Beobachtungsstandort zu finden, an dem nicht mindestens ein Satellit sichtbar wäre.
Die Bewilligung für den Start von Satelliten durch SpaceX und Reflect Orbital muss bei einer US-Behörde beantragt werden. Die Fachverbände der Astronomie drängen auf eine Verweigerung dieser Genehmigungen. Diese Behörde hat jedoch bereits in den Achtzigerjahren entschieden, dass Satellitenprojekte von Umweltverträglichkeitsprüfungen ausgenommen sind – ein Standpunkt, der 2025 erneut bestätigt wurde.
Neben der Lichtverschmutzung stellt die temporäre Haltbarkeit dieser Satelliten ein weiteres Problem dar. Die Starlink-Satelliten sind beispielsweise nur für etwa fünf Jahre ausgelegt und verwandeln sich danach in Weltraumschrott, dessen Auswirkungen auf die Chemie der oberen Atmosphäre ungewiss bleiben. Dies könnte negative Konsequenzen für Schutzschichten wie die Ozonschicht nach sich ziehen.
Ein weiteres Risiko besteht im potenziellen Absturz von Weltraumschrott auf die Erde. “Wir entwickeln uns rascher als wir über die möglichen negativen Konsequenzen nachdenken”, resümiert Drimmel und warnt, dass diese Probleme globale Auswirkungen haben werden, unabhängig davon, welche Länder die Satelliten starten.