In der Regel erfolgt die Verschreibung von Medikamenten nach einer ärztlichen Untersuchung und Diagnose. Plattformen wie Dokteronline umgehen diesen Prozess jedoch vollständig, indem sie Nutzerinnen und Nutzern erlauben, selbst auszuwählen, welches Medikament sie benötigen. Nach dem Ausfüllen eines Online-Fragebogens und der Bezahlung bewerten Ärzte in verschiedenen europäischen Ländern, darunter England, Deutschland oder Rumänien, die Angaben – ohne dass eine persönliche Untersuchung stattfindet. Diese Praxis wurde von Radio und Fernsehen für die italienische Schweiz (RSI) untersucht.
Dokteronline bietet an, nach Erstellung eines Rezepts durch einen Arzt das Medikament direkt zu den Kunden nach Hause zu liefern. RSI bestellte zweimal das Adipositas- und Diabetes-Mittel Saxenda über die Plattform, welches beide Male problemlos zugestellt wurde.
Die Plattform verlässt sich darauf, dass Patienten ehrlich in ihren Angaben sind; doch es besteht die Möglichkeit, Fragebögen zu manipulieren. Es gelang sogar, das Medikament zu bestellen, obwohl im Formular Umstände genannt wurden, die gegen dessen Anwendung sprechen.
Dokteronline erklärt, dass sie lediglich digitale Konsultationen zwischen Patientinnen und Ärzten der EU vermitteln würden. Die Entscheidung zur Verschreibung liege bei den Ärzten auf Basis von Fragebögen, die von den Patienten als korrekt bestätigt werden müssen. Laut Dokteronline sei diese Form der Telemedizin zulässig.
Zum Saxenda-Fall erklärte das Unternehmen, dass ein falsches Dosierungsschema ein Tippfehler war und keine absolute Kontraindikation vorlag. Auch beim Body-Mass-Index seien Ärzte in der Lage, individuelle Faktoren zu berücksichtigen. Ein Interview wurde abgelehnt; stattdessen verwies man auf eine schriftliche Stellungnahme.
Im zweiten Test bestellte ein Nutzer, der nicht die Kriterien erfüllte und sogar eine Erkrankung angab, die das Medikament riskant macht. Die Bestellung wurde dennoch ohne zusätzliche Rückfragen akzeptiert.
Francesca Bortolo, Apothekerin im Tessin, bezeichnete diese Vorgehensweise als «hochproblematisch». Sie warnte vor den Risiken des Umgehens der klassischen medizinischen Prozesse, die Patientinnen und Patienten unbemerkt in Gefahr bringen könnten. Dies berichtete RSI Patti chiari am 27.03.2026 um 22:30 Uhr.