Der renommierte Philosoph und Historiker Rüdiger Safranski kritisiert die Politik gegenüber der AfD scharf. Er vergleicht die aktuelle Brandmauer-Politik mit einer neuen Berliner Mauer, diesmal von Westen errichtet – eine Trennung innerhalb Deutschlands selbst. Safranski, bekannt für seine Werke über bedeutende Denker wie Schopenhauer und Nietzsche, sieht in der Ausgrenzung der AfD eine Gefahr für die Demokratie und betrachtet deren Zugehörigkeit zum demokratischen Spektrum als legitim, auch wenn Teile ihrer Politik problematisch sind. Er argumentiert, dass die CDU sich durch ihre Abhängigkeit von SPD-Politiken in eine gefährliche Lage manövriert hat und dringt auf einen Umgang mit der AfD, der sie ins politische System integrieren könnte.
Safranski stellt fest, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg nie wirklich zur Führungsmacht gereift ist, auch wenn seine wirtschaftliche Stärke dies erfordern würde. Die aktuelle innenpolitische Blockade sieht er als Ergebnis einer übertriebenen Dämonisierung der AfD, die das politische Gespräch verhindert und zu Lähmung führt. Seine Analyse umfasst auch eine Kritik an der aktuellen Ausrichtung von Politikern wie Friedrich Merz innerhalb der CDU und hebt hervor, dass Parteien sich neu erfinden müssen, um echte Alternativen anzubieten.
Die Polarisierung in der Gesellschaft sieht Safranski als ein Ergebnis sozialer Netzwerke, die eine erhitzte Meinungskultur fördern. Er vermutet, dass viele Menschen einen Eindruck von Ohnmacht haben, obwohl sie politisch mehr Gehör finden denn je. Dies führt zu einer Oberflächlichkeit in der Politik, die oft wie ein Spektakel inszeniert wird. Safranski sieht darin keine vollständige Degradierung der Politik, sondern auch eine Effizienzsteigerung bei Entscheidungen auf internationaler Ebene.
Safranski verweist darauf, dass Geschichte und Gesellschaft dynamisch sind und nicht immer planbar oder durch einzelne Akteure gesteuert werden. Er sieht in Verschwörungstheorien eine Form der Geschichtsphilosophie für das Volk, die versucht, unverständliche Entwicklungen zu erklären. Schließlich betont er, dass das Studium von Biografien bedeutender Persönlichkeiten Einsichten in ihre jeweiligen Epochen bietet und ein tieferes Verständnis der historischen Dynamik ermöglicht.
Safranski bleibt trotz seiner Kritiken an der aktuellen politischen Landschaft optimistisch bezüglich der Möglichkeit, die AfD zu zivilisieren, indem man sie ins demokratische Spiel mit aufnimmt. Seine Befürchtung ist, dass eine kontinuierliche Dämonisierung der Partei ihre Außenseiterposition nur weiter festigt und das politische Klima Deutschlands zunehmend polarisiert.