Die Offensive des Kremls richtet sich weiterhin auf den Südosten der Ukraine, insbesondere auf die reiche und russischsprachige Region Donbass. Diese umfasst die Oblaste Luhansk – fast vollständig unter russischer Kontrolle – und Donezk, wo heftige Kämpfe andauern. Russland kontrolliert 79 Prozent von Donezk, ein Drittel davon seit 2014. Die Offensive konzentriert sich nun auf die vier strategischen Städte Kramatorsk, Slowjansk, Kostjantiniwka und Druschkiwka, in denen vor dem Krieg über 380.000 Menschen lebten. Kramatorsk, Verwaltungssitz des Oblast, war Schauplatz eines mutmaßlichen Kriegsverbrechens, als ein Bahnhof von russischen Raketen getroffen wurde, wobei mindestens 50 Zivilisten ums Leben kamen.
In Kostjantiniwka versucht Russland durch eine Zangenbewegung die Kontrolle zu erlangen und hat bereits den Damm zerstört, um ukrainische Nachschublinien zu unterbrechen. Die Frühlingsoffensive verlief bisher schwierig; zwischen dem 17. und 19. März startete Russland einen massiven Angriff an sechs Frontabschnitten, der jedoch erfolglos blieb.
Ein ukrainisches Drohnenvideo zeigt die Abwehr eines russischen Vorstosses bei Bojkiwka mit über 60 getöteten Soldaten auf einer 700 Meter langen Strasse. Der ukrainische Generalstab verzeichnet hohe Verluste für Russland, das in den ersten drei Tagen der Offensive über 4800 Soldaten verlor.
Russland steht unter Druck, da die Ukraine seit Februar Erfolge erzielt hat und Gebiete im Oblast Saporischja befreien konnte. Städte entlang der Frontlinie bieten natürliche Verteidigungsvorteile; Russland erlebt erneut die Herausforderungen des Häuserkampfes, wie in Pokrowsk (erobert nach einem Jahr) und Tschasiw Jar.
Die Ukraine hat ihre Verteidigungsanlagen ausgebaut: Laut Clement Molinet wurden über 1250 Kilometer neue Linien errichtet. Ein Netzwerk aus kleinen Stellungen mit Drohnenüberwachung bildet die sogenannte “Kill Zone”, eine 10 bis 20 Kilometer tiefe, gefährliche Verteidigungsregion.
Russland versucht, diese Verteidigung mit der “Fleischwolf”-Taktik zu durchbrechen: Kleine Einheiten testen die ukrainische Abwehr, unterstützt von Drohnen und Artillerie. Trotz Sicherheitsmassnahmen wird Russlands Vorstoß weitergehen, jedoch mit hohen Verlusten.
Seit Kriegsbeginn verzeichnet der ukrainische Generalstab 1,2 Millionen russische Verletzte oder Tote; das Center for Strategic and International Studies schätzt die Zahl für das letzte Jahr auf 415.000. Im Jahr 2025 eroberte Russland etwa 2700 Quadratkilometer von Donezk und würde bei gleichbleibendem Tempo fast zwei Jahre benötigen, um den gesamten Oblast zu erobern – mit Verlusten von über 800.000 Soldaten.
Das Institute for the Study of War (ISW) erwartet nicht, dass der ukrainische Festungsgürtel in diesem Jahr fällt. Sollte Russland doch Erfolg haben, wäre dies ein bedeutender Schritt, aber noch weit entfernt von Putins Ziel, die Ukraine zu unterwerfen.