Die größte Drohnenoperation Russlands seit Kriegsbeginn traf die unter dem Schutz der UNESCO stehende Altstadt von Lwiw. Gleichzeitig entzündeten ukrainische Angriffe in russischen Ostseehäfen ein Inferno, das den Erdölexport lahmlegte.
Während der Krieg im Donbass kaum Fortschritte verzeichnet, richten sich die Luftangriffe nun auf entferntere Ziele. So richtete eine ukrainische Drohne in der Nacht auf Donnerstag einen Angriff auf die größte Raffinerie im europäischen Russland in Kirischi (Provinz Leningrad) aus, mit Kapazitäten für 18 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr. Die genauen Schäden sind noch unklar, aber Satellitenbilder zeigen umfangreiche Brände. Diese Angriffe zielen darauf ab, Russlands Erdölsektor zu schwächen und dessen Finanzierung des Krieges zu erschweren.
In der Woche ereigneten sich Doppelangriffe auf die russischen Häfen Primorsk und Ust-Luga, über die ein Großteil der Ölexporte abgewickelt wird. Die durch ukrainische Drohnen ausgelösten Explosionen führten zu schweren Bränden, die mehrere Tage andauerten. Reuters schätzt, dass mindestens 40 Prozent der russischen Erdölexportkapazitäten lahmgelegt sind, einschließlich des Ausfalls der Druschba-Pipeline durch Kämpfe im Januar.
Der bedeutende Exporthafen Noworossisk am Schwarzen Meer funktioniert eingeschränkt nach ukrainischen Angriffen. Auch ist die Verschiffung über das Schwarze Meer für russische Schiffe riskant geworden; ein Tanker unter sierraleonischer Flagge erlitt schwere Schäden nahe dem Bosporus, ohne zu lecken.
Ähnlich wie im Golf von Hormuz zielt die Ukraine darauf ab, Reeder vom Handel mit russischem Öl abzuschrecken. Russland hofft dennoch auf hohe Einnahmen durch gestiegene Weltmarktpreise und gelockerte US-Sanktionen. Die Auswirkungen der ukrainischen Angriffe sind jedoch noch ungewiss.
Die Attacke auf die russische Ostseehäfen ist nicht isoliert, denn auch eine Werft in Wyborg wurde angegriffen, um sowohl Energie- als auch Rüstungsindustrien zu beeinträchtigen. Die Spezialität der Werft sind Eisbrecher für den Militärapparat; ein Angriff beschädigte ein Patrouillenschiff schwer.
Die ukrainischen Drohnen legten mehr als tausend Kilometer zurück, um diese Ziele zu erreichen. Eine Drohne stürzte in Estland ab und traf ein Ölkraftwerk, verursachte jedoch keine Schäden.
Russland erhöhte ebenfalls seine Angriffe: Am Dienstag registrierte die ukrainische Flugabwehr 948 russische Kamikaze-Drohnen, den größten bisherigen Angriff seit Kriegsbeginn. Trotz einer Abfangquote von 96 Prozent kamen vier Menschen ums Leben.
Ein russischer Angriff traf eine Stromleitung an der Grenze zu Moldau, was deren Notstand auslöste. Ein weiterer Drohnenangriff in Lwiw traf ein UNESCO-geschütztes Klosterensemble und verursachte einen Brand.