Radio Free Europe, sowie dessen bulgarischer Dienst, werden Ende März ihre Tätigkeit einstellen. Dies bedeutet eine weitere Schwächung der ohnehin angeschlagenen Mediensituation in den südosteuropäischen EU-Mitgliedstaaten Rumänien und Bulgarien.
Der Onlineauftritt verrät nicht, dass die Schließung bevorsteht. Die rumänische und bulgarische Seite von Radio Free Europe / Radio Liberty (RFE/RL) bietet weiterhin aktuelle Artikel zu regionalen und internationalen Themen an – etwa zur Bewertung der Absetzung des Vizechefs der bulgarischen Nationalbank durch den Europäischen Gerichtshof oder den Auswirkungen eines iranischen Konflikts auf rumänische Landwirte. Die Berichterstattung bleibt solide und unaufgeregt.
Die europäischen Dienste Europe Libera Romania und Swobodna Ewropa müssen jedoch zum Monatsende schließen. Diese Maßnahme ist eine Folge massiver Budgetkürzungen bei der US-amerikanischen Auslandsmedienbehörde, USAGM, verfügt von Präsident Donald Trump im März 2025. Obwohl Radio Free Europe / Radio Liberty dank EU-Unterstützung mit reduzierter Belegschaft weiterarbeiten konnte, ist nun ein zusätzlicher Einschnitt unumgänglich.
RFE/RL wurde während des Kalten Krieges ins Leben gerufen, um im Ostblock in lokalen Sprachen amerikanische Positionen sowie Informationen aus dem Westen zu verbreiten. Die Finanzierung erfolgte zunächst durch die CIA und wird seit den 70er Jahren vom US-Kongress bereitgestellt.
In Rumänien gilt der Sender als historisch bedeutend, besonders während der Revolution von 1989 oder nach dem Erdbeben von 1977, als RFE/RL für viele das Hauptinformationsmedium war. Trotz seiner einstigen propagandistischen Rolle genießt RFE/RL einen guten Ruf in Regionen mit starkem staatlichem Einfluss auf die Medien oder oligarchischem Journalismus.
In Südosteuropa, wo unabhängige Medien auf den kleinen Märkten kaum bestehen können und politische Einflüsse groß sind, bietet RFE/RL mit seiner vertrauenswürdigen Berichterstattung in mehr als zwei Dutzend Sprachen einen wichtigen Gegenpol.
Auch nach dem EU-Beitritt der beiden Länder hatte RFE/RL seine Aktivitäten eingeschränkt, kehrte jedoch 2018 zurück, um auf die zunehmende Gefahr rechtsstaatlicher Rückschritte zu reagieren. Der Publizist Catalin Tolontan beschreibt das Ende von Europe Libera Romania als großen Verlust für Rumäniens Medienlandschaft. Trotz neuer journalistischer Formate, wie der investigativen Plattform «Recorder», sieht er die unabhängige tagespolitische Berichterstattung kritisch.
Das Thema Medienvielfalt beschäftigt in Südosteuropa viele Bürger und war bei den letzten serbischen Wahlen sowie bulgarischen Protesten ein zentrales Anliegen. Die Budgetkürzungen der USAGM, begründet mit dem Kampf gegen überflüssige Verwaltungsaufgaben, zielen auch auf inhaltliche Fragen ab.
Besonders die ungarische Redaktion Radio Szabad wurde von Präsident Trump kritisiert und musste ihren Betrieb einstellen. Während Ungarns Regierungschef Viktor Orban enge Kontakte nach Washington pflegt, verurteilte die US-Regierung die Annullierung der rumänischen Präsidentschaftswahl.
Trotz eines Urteils gegen die Sparmaßnahmen bei Voice of America bleibt RFE/RL und dessen Redaktionen in Bukarest und Sofia das Schicksal besiegelt.