Aussenminister Ignazio Cassis ist diese Woche in Afrika unterwegs. Innerhalb von fünf Tagen besucht er Angola, Nigeria, die Elfenbeinküste und Burkina Faso. SRF-Afrika-Korrespondent Fabian Urech analysiert den Besuch.
Fabian Urech ist seit Frühjahr 2024 Afrika-Korrespondent von Radio SRF in Accra, der Hauptstadt Ghanas. Vorher war er sieben Jahre lang für die «NZZ» als Afrika-Verantwortlicher tätig.
Die Themen des Besuchs umfassen klassische aussenpolitische Prioritäten: Sicherheitsfragen, humanitäre Hilfe und Gute Dienste sind Teil der Agenda. Zudem stehen wirtschaftliche Interessen im Fokus, da die Schweiz laut Aussendepartement eine Intensivierung ihrer Partnerschaft mit Afrika anstrebt. Der Bundesrat hebt stärker als zuvor das wachsende wirtschaftliche und politische Gewicht des Kontinents hervor. In Bern wird Afrika zunehmend auch als «Kontinent der Chancen» betrachtet, nicht nur als «Krisenkontinent».
Auf den ersten Blick wirkt die Reise des Aussenministers bescheiden: Der kleine Bundesratsjet ist im Vergleich zu vielen ausländischen Regierungsflugzeugen fast kinderspielzeughaft. Cassis reist zudem mit einer kleinen Delegation, was zur Schweizer Selbstwahrnehmung passt. Doch wirtschaftlich gesehen entspricht dies nicht der Realität: In Afrika ist die Schweiz eine bedeutende Wirtschaftsmacht.
Schweizer Firmen sind im Rohstoffsektor sehr dominant. Für die Elfenbeinküste und Burkina Faso ist die Schweiz seit Jahren einer der wichtigsten Handelspartner, besonders aufgrund des Goldhandels. Bei Nigeria und Angola, den beiden Hauptölförderern des Kontinents, werden viele Ölverkäufe über Schweizer Handelsfirmen abgewickelt.
Schweizer Unternehmen sind auch in anderen Sektoren stark vertreten: Im Konsum- und Lebensmittelbereich hat etwa Nestlé eine starke Stellung. Im Logistiksektor betreibt die Tochterfirma des Unternehmens MSC zahlreiche grosse Tiefseehäfen.
Schweizer Firmen gehören aufgrund ihrer ausländischen Direktinvestitionen seit Jahren zu den Schwergewichten in Afrika.
Der Aussenminister könnte sich veranlasst sehen, die Reduktion der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit in Afrika um rund ein Drittel zu begründen. Die Stärkung der Partnerschaft bei gleichzeitiger Reduzierung der Unterstützung könnte auf dem Kontinent als Widerspruch wahrgenommen werden.
Auch könnten kritische Fragen an Schweizer Rohstofffirmen gerichtet werden, die trotz ihrer bedeutenden Rolle in der neuen Afrika-Strategie des Bundesrats nur am Rande erwähnt werden. Dies überrascht angesichts ihrer Bedeutung und der Risiken im Sektor.
Echo der Zeit, 25.03.2026, 18 Uhr