In der Schweiz wurde im vergangenen Jahr ein Rekordtief an Blitzeinschlägen gemessen, seit die Erdblitzaufzeichnungen 1992 begannen. Insgesamt wurden lediglich 22.000 Blitze registriert, was einem Rückgang von einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Den meisten Blitzeinschlägen wurde erneut der Kanton Tessin ausgesetzt, wie der Blitzinformationsdienst ALDIS/BLIDS am Dienstag mitteilte. Dort wurden fast 3.300 Einschläge verzeichnet, was laut ALDIS/BLIDS 15 Prozent aller in der Schweiz gemeldeten Blitzeinschläge ausmacht.
Wolfgang Schulz, Experte von ALDIS/BLIDS, erklärt auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA die Ursachen: “Für Gewitter sind Feuchtigkeit und eine instabile Atmosphäre erforderlich. Im Tessin kommen viele feuchte Luftmassen vom Mittelmeer, die durch die Berge angehoben werden.”
Die Gemeinde mit der höchsten Blitzanzahl war Interlaken BE mit fast 800 Blitzen. Bei der Blitzdichte führte Mendrisio TI mit 2,48 Einschlägen pro Quadratkilometer an, gefolgt von Lugano TI mit 1,55 und Gonten AI mit 1,50.
Am wenigsten Blitze verzeichneten die Bezirke See FR (0,11), Bucheggberg SO (0,13) und Seeland BE mit 0,15 pro Quadratkilometer.
Auch in den benachbarten Ländern Österreich und Deutschland wurde ein Rückgang der Blitzaktivität beobachtet. Im gesamten DACH-Raum wurde mit 167.000 Erdblitzen ein neuer Tiefstwert erreicht. “Der Sommer 2025 war wetterbedingt speziell: Es war weder sehr heiß noch trocken, was die geringe Gewitteranzahl erklärt,” erläutert Schulz.
Die Blitzdichte lag in der Schweiz (0,53) und Österreich (0,54) vergleichbar hoch, während sie in Deutschland bei 0,28 deutlich niedriger war.
Erdblitze, die tatsächlich im Erdboden einschlagen, sind laut Studien nur ein Zehntel bis Fünftel aller Blitze. Die Beratungsstelle für Brandverhütung (BFB) schätzt, dass rund 80 Prozent der Blitze innerhalb einer Gewitterwolke oder zwischen Wolken entladen – diese werden als Wolkenblitze bezeichnet.
Die Messdaten stützen sich auf über 170 Stationen in Europa. Die technische Universität Graz weist darauf hin, dass die Ortungseffizienz des Systems bei über 95 Prozent und die Genauigkeit unter 100 Metern liegt.