Entgegen der weitverbreiteten Annahme, dass die Schweiz von einer Päckliflut aus Asien überschwemmt wird, zeigen Daten der Post, dass lokale Onlinehändler den Markt dominieren. Die Konkurrenz aus Fernost spielt nur eine untergeordnete Rolle.
Die Vorstellung, dass Billigwaren aus Asien die Schweizer Postnetze überlasten und dem heimischen E-Commerce schaden, trifft nicht zu. Vielmehr sind es 20 führende nationale Onlinehändler wie Digitec, Galaxus, Brack oder Zalando, die für den Anstieg der Paketzahlen verantwortlich sind.
Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 237 Millionen Pakete von der Post versandt. Davon stammten lediglich 26 Millionen aus Asien – das entspricht elf Prozent. Schweizer Onlinehändler hingegen verschickten 87 Millionen Pakete, was einem Anteil von 37 Prozent gleichkommt.
In den letzten zehn Jahren ist das Volumen der heimischen Händler um insgesamt 49 Millionen Pakete gestiegen. Die Zuwachsrate für Händler aus Fernost lag bei 17 Millionen Paketen. “Nur rund zwanzig Prozent des Wachstums sind auf Asien zurückzuführen”, erklärte ein Sprecher der Post.
Patrick Erny, Direktor der Swiss Retail Federation, betont jedoch, dass die Zahlen nicht das vollständige Bild darstellen. Oftmals erreichen Lieferungen aus Asien die Schweiz als Briefpost, was die Paketzahlen verzerren könnte. Laut Marktforschungsinstitut GfK ist der Versand solcher Sendungen zwischen 2022 und 2024 um 126 Prozent gestiegen.
Obwohl die Schweizer Händler einen größeren Marktanteil haben, fühlen sich diese im Wettbewerb benachteiligt. Bernhard Egger, Geschäftsführer des Handelsverbands, verweist darauf, dass ausländische Anbieter keine Produkthaftpflicht tragen müssen und von vorgezogenen Gebühren für Recycling befreit sind. Zudem würden viele importierte Produkte die Schweizer Standards nicht erfüllen.
Im Rahmen eines parlamentarischen Vorstosses berichtete der Mitte-Ständerat Fabio Regazzi, dass in Zürich pro Tag rund eine halbe Million Pakete aus China ankommen. Schweizer Händler zahlen für Kleinsendungen von 501 Gramm im Durchschnitt 8,50 Franken, während chinesische Anbieter deutlich weniger für bis zu zwei Kilogramm schwere Pakete verlangen.
Der Bundesrat lehnte eine entsprechende Motion im Februar ab und erklärte, dass kein substanzieller Wettbewerbsnachteil für Schweizer Händler bestehe. Der Ständerat nahm die Motion jedoch im März an.
Laut Patrick Erny gibt es derzeit über 30 parlamentarische Vorstöße zu diesem Thema. Diese zielen unter anderem auf Anpassungen des Umweltschutzgesetzes ab, um eine gleichwertige Beteiligung an Recyclingsystemen sicherzustellen, sowie auf die Schließung von Lücken im Produktsicherheitsgesetz.