In kurzer Folge müssen Schweizer Nagelstudios ihre Lagerbestände an Farben zweimal entsorgen, weil neue Vorschriften des Bundes dies erforderlich machen. Die Regeländerungen verursachen erheblichen Unmut unter den Betreibern.
Der Bund hat innerhalb weniger Monate zwei Substanzen in Nagelfarben verboten, die das Risiko bergen, die Fruchtbarkeit von Frauen zu beeinträchtigen. Ricarda B., eine Nagelstudio-Besitzerin aus Bern, begrüßt zwar den Schutz vor riskanten Stoffen, ärgert sich jedoch über das Vorgehen: “Warum konnte man die beiden Stoffe nicht auf einmal verbieten?” fragt sie.
Im Herbst musste B. viele ihrer Gel- und Shellac-Farben wegwerfen, weil der Inhaltsstoff “TPO” verboten wurde. Sie kaufte neue Farben ohne TPO für 11’000 Franken, wobei rund 6500 Franken für die Entsorgung des alten Materials flossen. Kurz darauf folgte das Verbot von “Silber” oder “CI 77820”, was erneute Kosten verursachte.
Iris Kuchler vom Branchenverband Swiss Naildesign versteht die Kritik und merkt an, dass der Zeitraum zwischen Entscheidung und Umsetzung kurz sein könne. Sie betont, dass die Studios sich aktiv informieren sollten, obwohl einige Hersteller bis zum Verbotsende keine Informationen weitergaben.
Nicht alle Nagelstudios sind betroffen, da einige bereits auf alternative Produkte umgestiegen waren. Die Kosten müssen von den Betreibern selbst getragen werden, was Ricarda B. zu dem Verdacht veranlasst, dass unredliche Studios ihre Farben aus Kostengründen nicht ersetzen könnten.
Kontrollen sind kantonal geregelt und es ist nicht erwartet, dass diese nach den neuen Verbotsregelungen intensiviert werden. Alda Breitenmoser vom Verband der Kantonschemiker erklärt, dass die Kontrollverfahren für Nagelstudios anders als bei Tätowierern sind.
Die EU hatte beide Stoffe zu unterschiedlichen Zeiten als CMR-Stoffe eingestuft, was die schrittweise Verbotsentscheidung in der Schweiz beeinflusste. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen betont fundierte wissenschaftliche Verfahren bei solchen Einstufungen und empfiehlt Nagelstudios, Lagerbestände gering zu halten.