Ein Bild zeigt zwei junge Männer beim Boxen mit verpixelten Gesichtern. Hinter ihnen ist eine Fahne mit den Worten «Blood» und «Honour» (Blut, Ehre) sichtbar. Diese Fahne repräsentiert die weltweit bedeutende nationalsozialistische Gruppe «Blood and Honour», auf der auch ein Totenkopf sowie das Kürzel «C18» für Combat 18 abgebildet sind – eine als terroristischer Arm bekannte Organisation, die in Deutschland verboten ist.
Das Bild wurde am 30. März auf einem Telegram-Kanal eines Schweizer «Active Clubs» gepostet und von anderen Gruppierungen weiterverbreitet. Dieser Beitrag gilt als einer der jüngsten und explizitesten Aktivitäten von Schweizer «Active Clubs». Seit etwa einem Jahr sind in der Schweiz mehrere solcher rechtsextremen, anonym agierenden Gruppen entstanden, die die Telegram-App nutzen.
Der Begriff «Active Club» hat seinen Ursprung in den USA. Ihr Vordenker, der 2024 nach einer Haftstrafe freigelassen wurde, verstärkt seit Sommer 2025 die Verbreitung von Propaganda, wie eine Studie des Counter Extremism Projects (CEP) zeigt.
Die Studie beschreibt, dass Kampfsport und Fitness oft nur als Vordergrund dienen, während dahinter teilweise bewaffnete Milizen aufgebaut werden. Inzwischen existieren «Active Clubs» in vielen europäischen Ländern.
Der Vordenker spricht von einem Netzwerk eines «führerlosen Widerstands» und fordert den Aufbau von Infrastrukturen im «nationalistischen Besitz», wie Sportzentren, Unterkünfte und eigene Geschäfte. Er betont die Bedeutung langfristiger «Wurzeln in der realen Welt». CEP-Experte Alexander Ritzmann unterstreicht, dass das Gewaltpotenzial abgeklärt werden muss, da historische Referenzen zu faschistischen Milizen wie den «Schwarzhemden» genannt werden.
Rechtsextreme Gruppen in der Schweiz zeigen sich schon länger beim Sporttraining oder Wandern. Erst seit rund einem Jahr fallen selbsternannte «Active Clubs» auf. Recherchen von SRF zufolge gehören vier bis fünf Gruppen zum Netz, mit Ablegern in der Westschweiz und im Tessin, die Namen wie «Helvetia», «Edelweiss» oder «Romandia» tragen.
Viele Posts zeigen Sportaktivitäten und Veranstaltungsankündigungen. So wurde zu einem Vortrag über Rechtsextremismus der Grünen in St. Gallen eingeladen, was Beunruhigung auslöste. Ein Westschweizer «Active Club» reagierte auf eine Gegenkundgebung zum «Antifaschistischen Karneval» in Lausanne mit Drohungen.
Die Propaganda ist explizit: T-Shirts mit der Aufschrift «White Race» sind verbreitet, und ein Video zeigt Männer im Hitlergruss. Ein anonymer Kontaktmann einer Gruppe bestreitet die Zugehörigkeit zu einer Miliz oder gewalttätigen Gruppe.
Eine andere nationalistische Gruppe weist Gewalt zurück und beschreibt sich als Gemeinschaft, die Schweizer Kultur fördert. Zur «Blood and Honour»-Fahne erklärte sie, man arbeite mit gleichgesinnten Organisationen zusammen und betone Gewaltfreiheit.
Alexander Ritzmann vom CEP spricht von einer zunehmenden Radikalisierung und beobachtet Gewalttaten sowie Waffenfund in Europa. Anna Bursian, eine Journalistin, warnt vor der Radikalisierung junger Menschen und dem Risiko, dass Einzeltäter Straftaten begehen.