In den letzten Jahren wurden Millionen von Frauen und Mädchen im Sudan sexueller Gewalt ausgesetzt, wobei besonders nichtarabische Gruppen wie die Fur, Zaghawa und Masalit betroffen sind. Die RSF-Milizen führen eine Kampagne der Entmenschlichung gegen diese Gemeinschaften durch. Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat alarmierende Zahlen vorgelegt: Von Januar 2024 bis November 2025 suchten etwa 3.400 Überlebende in den Regionen Nord- und Süd-Darfur medizinische Hilfe bei MSF. Die Nothilfekoordinatorin Myriam Laaroussi betonte, dass dies nur “die Spitze des Eisberges” sei. Der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, vertritt die Ansicht, sexuelle Gewalt werde im Sudan systematisch als Kriegswaffe eingesetzt.
Seit April 2023 kämpfen die Rapid Support Forces gegen die Armee um Kontrolle über Land und Ressourcen. Beide Parteien sind wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. MSF berichtet, dass die RSF und verbündete Milizen für den Großteil der Vergewaltigungen verantwortlich seien. Überlebende schildern Gruppenvergewaltigungen während Fluchten; in Süd-Darfur wurden ein Drittel der Frauen auf Feldern überfallen, weitere 20 Prozent bei Wasser- oder Feuerholzsuche.
Gezielt wird Gewalt gegen die nichtarabischen Volksgruppen ausgeübt. Türk erwähnte, dass sein Büro Indizien für einen Genozid untersucht und sexuelle Gewalt als Teil einer entmenschlichenden Strategie identifizierte. “Auch Kinder stehen im Zentrum dieser Krise”, sagte Laaroussi bei der Pressekonferenz in Nairobi. Ein Fünftel der Überlebenden in Darfur sind Minderjährige, einschließlich Mädchen unter fünf Jahren; 3 Prozent sind Männer und Jungen. Gloria Endreo berichtete aus Nord-Darfur: “Für Männer ist es noch schwieriger als für Frauen, über sexuelle Gewalt zu sprechen.”
Die Unterstützung erreicht nur einen kleinen Teil der Opfer. Stigma und Trauma erschweren die Beratung; zudem ist die Gesundheitsversorgung weitgehend zusammengebrochen, was den Zugang zu Hilfsstellen gefährlich macht. Laaroussi rief zur internationalen Intervention auf: “Wir brauchen eine stärkere Uno-Präsenz.” Andrêza Trajano betonte die Notwendigkeit sicherer Unterkünfte, Nahrungsmittel und psychosoziale Unterstützung.
Der Krieg hat laut Uno die größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart ausgelöst. Die Zerstörung ziviler Infrastruktur, darunter Hunderte Krankenhäuser, verschärft die Lage. Gemäß dem Uno-Büro für humanitäre Hilfe (OCHA) sind 33,7 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen; 9 Millionen sind innerhalb des Landes vertrieben und in improvisierten Lagern untergebracht. Tödliche Drohnenangriffe zwingen Hunderttausende zur Flucht.
Zu den Fällen sexueller Gewalt im gesamten Sudan gibt es keine genauen Zahlen, aber Unicef schätzt, dass die Hälfte der Frauen geschlechtsspezifische Gewalt erlebt hat. Die Unicef-Chefin Catherine Russell beschrieb vor einem Jahr: “Im heutigen Sudan ist sexuelle Gewalt allgegenwärtig und dient dazu, Bevölkerungen zu demütigen, unterwerfen und in Angst zu versetzen.”