Infolge eines Gondelabsturzes am Mittwochvormittag, bei dem eine 61-jährige Frau tödlich verletzt wurde, einer Postautobrandaufgabe in Kerzers FR mit sechs Toten und der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS zu Beginn des Jahres sind die Menschen besorgt über die Sicherheit in der Schweiz. Ein Sicherheitspsychologe bringt Licht ins Dunkel.
Nachdem eine Gondel der Titlis Bergbahnen abgestürzt ist, fragen sich viele: Ist das Land sicher? Eine Woche zuvor hatte ein Passagier in einem Postauto in Kerzers mit Benzin sein Leben und das von fünf anderen beendet. Anfang Jahr kamen in Crans-Montana VS 40 Menschen bei einem Brand ums Leben.
Besonders Italienerinnen und Italiener, die unter den Verstorbenen waren, sowie Französische Staatsbürger sind betroffen und reagieren emotional auf diese Tragödien. Auf sozialen Medien wird über Sicherheitsmängel diskutiert; manche sehen die Schweiz nicht mehr als das sichere Land an.
Simon Carl Hardegger, leitender Sicherheitspsychologe am IAP Institut für Angewandte Psychologie der ZHAW, erklärt, dass diese Ereignisse statistisch betrachtet keinen direkten Zusammenhang aufweisen. Die objektive Sicherheit sei weiterhin hoch; die Tragödien würden lediglich das Verlangen nach mehr Schutz steigern.
Trotzdem könnten solche Häufungen das subjektive Sicherheitsgefühl beeinträchtigen, sagt Hardegger. Es besteht die Möglichkeit, dass Menschen nun vorsichtiger werden oder sogar Vermeidungsstrategien entwickeln. Wenn jemand beispielsweise auf Reisen in Gondeln verzichtet, sei dies verständlich.
Ein extremes Sicherheitsgefühl könnte jedoch auch problematisch sein, etwa wenn man sich gefahrlos in unsicheren Umgebungen bewegt. Die Ermittlungen zu den Unglücken laufen noch und sollen Klarheit schaffen.