Kanzler Friedrich Merz hat umfassende Reformen des Rentensystems in Aussicht gestellt und damit heftige Kritik hervorgerufen. Er betonte auf einer Veranstaltung des Bankenverbandes, dass die gesetzliche Rente künftig nur noch als Grundabsicherung dienen werde und nicht ausreiche, den Lebensstandard zu sichern. Merz forderte daher eine stärkere Betonung kapitalgedeckter Vorsorge durch betriebliche und private Altersvorsorge in größerem Umfang.
Obwohl Union und SPD im Koalitionsvertrag Reformen der Rente vereinbart haben, wird die Bedeutung privater Absicherungen bereits jetzt erhöht. Ab dem nächsten Jahr soll eine renditeorientierte Vorsorge mit Aktien oder ETF gefördert werden, um die Riester-Rente zu ersetzen.
Die SPD kritisiert Merz’ Pläne scharf und warnt vor Ängsten unter den Bürgern. Generalsekretär Tim Klüssendorf versprach “erbitterten Widerstand” gegen eine Reduzierung der gesetzlichen Rente auf eine Basisrente, da diese für über die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland – im Osten sogar drei Viertel – die einzige Alterssicherung darstellt. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch betonte den Vertrauensschutz und beschrieb die Rente als versprochene Leistung für das Lebenswerk, nicht als Sozialhilfe.
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann forderte hingegen eine realitätsnahe Betrachtung der Situation: Er erklärte, dass die gesetzliche Rente allein in Zukunft nicht ausreichen werde. Der Bundestag hatte zuvor auf Druck der SPD ein Gesetzespaket verabschiedet, um das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent zu stabilisieren und den Nachhaltigkeitsfaktor temporär auszusetzen.
Die Rentenkommission diskutiert über unpopuläre Maßnahmen wie die Abschaffung von Frühverrentungsanreizen und eine Anpassung des Renteneintrittsalters an die Lebensarbeitszeit, um finanzielle Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Während Politiker wie Kanzler Merz und Sozialministerin Bärbel Bas gegen eine pauschale Erhöhung des Rentenalters sind, betont der Rentenexperte Axel Börsch-Supan die Notwendigkeit einer kapitalgedeckten Altersvorsorge. Deutschland habe zu spät mit dem Aufbau dieser Säule begonnen. Ein vollständiger Umstieg könnte laut Börsch-Supan frühestens Mitte der 2060er Jahre realisiert werden.