Die Wohnung von Svenja Stettler verwandelt sich oft in ein Fussballfeld, da ihr Sohn dort spielt. Er träumt davon, bei einem Verein zu trainieren, doch es gibt keinen Platz für ihn. Der FC Glattfelden, wo er auf der Warteliste steht, ist kein Einzelfall: In der ganzen Schweiz warten etwa 10’000 Kinder darauf, einen Fussballverein beitreten zu können; beim Unihockey sind es rund 2000 und beim Volleyball noch mehr, wie die Verbände schätzen.
Auch im Handball ist man an der Kapazitätsgrenze angelangt. Es mangelt an Turnhallen und Fussballplätzen. Im FC Glattfelden gibt es drei Felder für etwa 400 Spielerinnen und Spieler, die allerdings nur eingeschränkt genutzt werden können: Ein Feld kann aufgrund von Starkstromleitungen keine Lichtmasten aufstellen, was Abendtrainings unmöglich macht.
Regennächte stellen ein weiteres Problem dar, da das Wasser auf den 40 Jahre alten Plätzen kaum abläuft. Eine Lösung wäre die Umstellung auf Kunstrasen, doch dazu benötigt der Verein finanzielle Unterstützung von der Gemeinde, was bisher gescheitert ist. Der FC Glattfelden wollte 800’000 Franken für diese Umrüstung erhalten, aber das Vorhaben wurde an der Urne abgelehnt.
Gemeindepräsident Marco Dindo begründet die Ablehnung mit bereits hohen Kosten in anderen Bereichen wie Schule und Pflege. Er betont, dass nicht alle von einem Fussballplatz profitieren würden, weshalb auch andere Investitionen nötig seien.
Das Bundesamt für Sport ist zwar für die Bewegungsförderung zuständig, hat aber keine Verantwortung für ausreichende Sportanlagen, wie Maximilian Schubiger vom Bereich Raum und Infrastruktur erklärt. Das revidierte Raumplanungsgesetz fordert einen inneren Ausbau zur Zersiedelungsvermeidung, was den Bau neuer Anlagen erschwert. Schubiger plädiert dafür, bei der Planung Sportanlagen stets zu berücksichtigen und bestehende effizienter zu nutzen.
Der FC Glattfelden hat seine Trainingsmethoden angepasst: Bei jungen Spielern wurde von Mannschaftstrainings auf Pool-Training umgestellt. Dadurch teilen sich vier Teams einen Platz, was die Kapazität erhöht.
Ein Leitfaden des Schweizerischen Fussballverbands und der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Sportämter schlägt kurzfristig Trainings auf Halb- oder Viertelfeldern vor. Langfristig könnten Trainingseinheiten ausgelagert oder Naturplätze in Kunstrasen umgewandelt werden.
Auch andere Verbände suchen nach Lösungen für eine bessere Nutzung der vorhandenen Flächen. Der FC Glattfelden bleibt bei seinem Vorhaben, sich weiterhin für einen Kunstrasen einzusetzen und sucht nach kostengünstigen Projekten sowie Sponsoren.
Für Svenja Stettler gibt es bereits jetzt Grund zur Freude: Ihr Sohn hat ab Sommer einen Platz beim FC Glattfelden gefunden.