Der Umgang mit überbevölkerten Taubenbeständen in Städten bleibt ein kontroverses Thema, das regelmäßig Proteste hervorruft. Betreute Taubenschläge gelten als bewährte Lösung zur Regulierung der Populationen. In einer Stadt steht die Einführung durch einen Volksentscheid bevor.
Tote oder leidende Tiere entfachen starke Emotionen. Während in Europa der Buckelwal Timmy die Aufmerksamkeit auf sich zog, sorgt in Zürich ein anderes Thema für Empörung: Die Taubenpopulation. Ein deutscher Influencer veröffentlichte ein Video, das zeigt, wie städtische Wildhüter am Bahnhof Stadelhofen Grossfallen aufstellen und den darin gefangenen Tauben das Genick brechen. Dieses Video ging viral.
Der Verein Stadttauben Schweiz reagierte mit einer Mahnwache auf dem Europaplatz, bei der laut Veranstaltern 250 bis 300 Personen gegen die jährliche Tötung von bis zu 1800 Tauben in Zürich protestierten. Die Organisation setzt sich seit ihrer Gründung im Jahr 2017 für ein tiergerechtes und nachhaltiges Stadttaubenmanagement ein. Ein Vorstandsmitglied, Sonja Lingchungtsang, betont, dass die Problematik der verwilderten Haustauben eine Frage der Ethik sei.
Trotz des Problems, dass Tauben in Städten durch menschengemachtes Futter rasch anwachsen, werden sie von vielen als lästig empfunden. Politisch wird nun über den richtigen Umgang diskutiert. In Zürich forderten die Grünen nach einem Vorfall am Stadelhofen eine tierfreundliche Regulierung.
In Basel hingegen soll ein Volksbegehren, das von der Organisation “Projekte für Tiere” eingereicht wurde, per Abstimmung den Taubenbestand auf 3000 bis 4000 Vögel reduzieren. Dies geschieht durch die Einrichtung von betreuten Taubenschlägen und das Ersetzen von Eiern gegen Attrappen.
Das in Basel diskutierte Augsburger Modell, welches seit den 1990er Jahren auf Betrieb ist, wird auch in Winterthur und Bern angewandt. In Bern werden männliche Tauben sterilisiert und befruchtete Eier durch Gipseier ersetzt. Obwohl das Modell gelobt wird, weisen Experten darauf hin, dass es nur dann wirksam ist, wenn ein großer Teil der Tauben in den Schlägen brütet.
Fachleute argumentieren, dass eine Reduzierung der Futtermenge entscheidend für die Bestandsregulierung ist. Städte wie Basel und Luzern verhängen daher Fütterungsverbote. In Zürich führte ein solches Verbot paradoxerweise dazu, dass Taubenfreunde mehr Futter verteilten.
Der Kanton Zürich hat in seinem Jagdgesetz seit 2023 das Füttern von Wildtieren verboten, was zu einem Anstieg der Konzentration von Taubenschwärmen führte. Bern hingegen kennt kein solches Verbot und konnte dennoch die Bestände senken. Ein universelles Vorgehen gegen überhöhte Taubenbestände bleibt aus.
Die Diskussionen in Zürich und Basel wurden durch jüngste Vorfälle und bevorstehende Volksabstimmungen neu angefacht.