Ivan Trifunovic, der serbische Botschafter in der Schweiz, hebt die starken wirtschaftlichen Beziehungen hervor, die das Fundament der seit 110 Jahren bestehenden diplomatischen Verbindungen zwischen Serbien und der Schweiz bilden. Dies ist auch der Anlass für den Besuch des Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin bei seinem serbischen Amtskollegen Aleksander Vucic in Belgrad, wo er von einer Wirtschaftsdelegation begleitet wird.
Laut Trifunovic schätzt Serbien die Schweiz als politische Partnerin, insbesondere in ihrer Vermittlerrolle im Kosovo-Konflikt. Trotz der äußerlichen Unterschiede betont er Ähnlichkeiten zwischen den beiden Ländern, vor allem in Bezug auf Neutralitätspolitik. Anders als die Schweiz hat Serbien jedoch keine Sanktionen gegen Russland verhängt und bezweifelt deren Wirksamkeit, während es gleichzeitig russische Energielieferungen benötigt. Trotzdem unterstützt Serbien nach Aussage Trifunovics die territoriale Integrität der Ukraine in internationalen Foren wie den Vereinten Nationen.
Kritik erntet Serbien für seine politische Nähe zu Russland, beispielsweise durch das Treffen Vucics mit Putin im vergangenen Jahr. Innenpolitisch sieht sich die Regierung unter Druck durch anhaltende Proteste seit dem Bahnhofsunglück in Novi Sad, bei dem 16 Menschen starben und Neuwahlen gefordert werden.
Botschafter Trifunovic zeigt Verständnis für den öffentlichen Unmut über das Unglück und spricht von möglicher Inkompetenz oder Korruption, die juristisch geklärt werden müssten. Er ist überzeugt, dass sich die Krise durch anstehende Neuwahlen lösen wird.
Dennoch gibt es Vorwürfe, eine gründliche rechtliche Aufarbeitung des Unglücks habe bislang nicht stattgefunden, und viele befürchten nicht freie Wahlen. Das politische Klima in Serbien gilt als zunehmend autoritär mit Einschränkungen der Pressefreiheit.
Die EU hat ihre Sprache gegenüber Serbien verschärft und demokratische Rückschritte sowie Rechtsstaatlichkeitsprobleme kritisiert. Berichten zufolge erwägt die EU-Kommission, ein Förderprogramm über 1,5 Milliarden Euro zurückzuhalten.
Der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, warnt vor einer Erosion des zivilgesellschaftlichen Raumes und Medienfreiheitseinschränkungen. Botschafter Trifunovic widerspricht dieser Sichtweise und betont Serbiens lebendige Diskussionskultur, obwohl oppositionelle Medien unter Druck stehen.
Im Gegensatz zur EU hält sich die Schweiz mit öffentlicher Kritik an der serbischen Regierung zurück. Diese Zurückhaltung lobt Trifunovic als nuanciertere Herangehensweise und ist zuversichtlich, dass der Staatsbesuch die bilateralen Beziehungen stärken wird.