Die Strasse von Hormus bleibt ein zentraler Schauplatz im Konflikt zwischen dem Iran, den USA und Israel. Nach einer Phase militärischer Eskalation gibt es erste Anzeichen für eine Deeskalation, obwohl die Situation weiterhin angespannt ist. SRF-Nahostkorrespondent Thomas Gutersohn analysiert die neuesten Entwicklungen.
Seit 2023 berichtet Thomas Gutersohn aus Amman als Nahost-Korrespondent für SRF. Davor war er von 2016 bis 2022 als Südasien-Korrespondent tätig und zuvor berichtete er aus der Westschweiz. Seit 2008 arbeitet Gutersohn bei SRF, nachdem er in Genf Internationale Beziehungen studiert hat.
Der Iran verkündet die Wiedererlaubnis für Handelsschiffe durch die Strasse von Hormus unter der Bedingung, dass die zehntägige Libanon-Waffenruhe eingehalten wird, wie vom iranischen Aussenminister auf X bestätigt. US-Präsident Donald Trump spricht ebenfalls von einer geöffneten Meerenge, während die US-Marine ihre Blockade iranischer Häfen bis zum Abschluss der Verhandlungen beibehält. Nach einer faktischen Blockade seit Ende Februar hat diese Entscheidung den globalen Energiepreis drastisch beeinflusst.
Die Öffnung ist ein Zeichen für gegenseitiges Entgegenkommen in einem angespannten Umfeld: Die USA haben der Forderung des Irans nach einer Waffenruhe im Libanon entsprochen, woraufhin Teheran seine Bereitschaft signalisiert hat, einen Schritt Richtung Öffnung der Seestrasse zu gehen. Beide Seiten scheinen einen Weg aus der direkten Konfrontation zu suchen, wobei sie jedoch ihre Verhandlungspositionen nicht schwächen möchten.
Trotz der jüngsten Entspannung bleiben zentrale Streitpunkte bestehen:
Die Waffenruhe und die Öffnung der Seestrasse deuten auf eine Deeskalation hin, geben jedoch beiden Seiten Zeit für Verhandlungen. Die iranische Führung erkennt an, dass die Blockade ein wirksames Druckmittel gegenüber den USA ist. Sollten im Zuge der Verhandlungen keine Fortschritte bei den Sanktionen erreicht werden können, könnte die Führung die Blockade wieder verschärfen, wie neueste Berichte über iranische Drohungen nahelegen.
Für die internationale Schifffahrt bedeutet dies vorerst keinen echten Hoffnungsschimmer. Solange keine Lösung für die Streitpunkte gefunden und verbindliche Sicherheitsgarantien von allen Konfliktparteien nicht gegeben sind, werden Reedereien und Händler voraussichtlich weiterhin zögern, diese Route zu nutzen. Jede Störung in der Strasse von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Ölexports transportiert wird, hat unmittelbare Auswirkungen auf Energiepreise sowie globale Lieferketten.