Laut einem offiziellen Bericht wurden bei den Protesten nach der Wahl im ostafrikanischen Tansania 518 Menschen getötet. Diese Zahl mag nicht das gesamte Ausmaß der Gewalt widerspiegeln.
Ein von Präsidentin Samia Suluhu entgegengenommener Bericht, präsentiert in einem verzierten Umschlag als Geschenk, spiegelte die Zulassung einer autoritären Regierung wider und beschrieb die Vorfälle nach der Wahl Ende Oktober 2025. Die Sicherheitskräfte reagierten mit Gewalt auf Proteste von meist jungen Menschen, die die Ergebnisse für undemokratisch hielten.
Die Präsidentin gewann offiziell 98 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit. Unabhängige Menschenrechtsorganisationen sprachen von Hunderten bis Tausenden Getöteten, während Beobachter die Situation mit dem “Tiananmen-Moment” verglichen.
Obwohl die Untersuchungskommission, geleitet von einem ehemaligen Obersten Richter, mehr als 500 Tote dokumentierte, wurde der Bericht kritisiert, da er ausländische Kräfte für den größten Teil des Vorfalls verantwortlich machte. Suluhu betonte in einer Fernsehansprache die Absicht der Demonstrierenden, das Land unregierbar zu machen, und rief zur Versöhnung auf.
Die Oppositionspartei Chadema bezeichnete den Bericht als Täuschungsversuch. Die Situation um die Wahl ist nur lückenhaft bekannt; ausländische Journalisten hatten keinen Zugang, und einheimische Medienschaffende riskierten Gefahr bei kritischen Äußerungen. Das Internet wurde während der Wahl abgestellt.
Trotz Sicherheitsmaßnahmen wie Verhaftungen und Folter von Oppositionellen blieben die Proteste bestehen, ähnlich jenen in anderen autoritären Ländern.
Soziale Medien zeigten brutale Unterdrückungsbilder. Die Gewalt kam überraschend, da Tansania lange als stabiles Land galt und seit der Unabhängigkeit 1961 oft friedlich blieb. Doch die einheitliche Herrschaft durch Chama Cha Mapinduzi (Partei der Revolution) führte zu Wünschen nach Veränderung.
Suluhu hatte zuvor Reformen eingeleitet, jedoch verschlechterte sich das Klima vor den Wahlen 2025. Die Gewalt beeinträchtigte die Tourismusbranche und führte zur Aussetzung von Hilfsgeldern durch die EU sowie einer Überprüfung der Beziehungen zu den USA.
Das Land war seit über sechzig Jahren regiert worden, was bei vielen eine Sehnsucht nach Veränderung weckte.