Für Drône, ein Dorf nahe Sitten im Wallis, ist der alte Gemeinschaftsbackofen nicht mehr lebensnotwendig. Dennoch bleibt er zentral für das Selbstverständnis seiner Bewohner auch im 21. Jahrhundert. Jedes Jahr in der Karwoche backen Mitglieder des Männervereins, die sogenannten “Fornati”, Roggen-, Weizen- und Brioche-Brote. Nach der Kreuzwegandacht am Karfreitag verteilen sie das Brot an alle Dorfbewohner als Symbol für das letzte Abendmahl und christliche Nächstenliebe, aber auch zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls in den Walliser Dörfern. Die Bedeutung dieses Brauchs wird durch Glasfenster der Pfarrkirche unterstrichen, die von Ernest Biéler geschaffen wurden und wichtige Traditionen wie die Brotspende zeigen. Diese Kunstwerke werden stolz auf der Website der Gemeinde Savièse präsentiert, zu der Drône gehört.
In Sembrancher bei Martigny feiern die Einwohner nach dem Ostergottesdienst mit einem gemeinsamen Weintrunk auf dem Dorfplatz. Dies ist eine Tradition, die sich über Jahrhunderte bewahrt hat und sogar weiterentwickelt wurde: Der Jugendverein lädt später zum Apéro mit Musik ein.
In Müstair im Bündnerland ersetzen Kinder und Jugendliche am Karfreitag und Karsamstag das Glockengeläut durch Lärmmachen mit Rätschen. Diese Tradition, die in anderen reformierten Regionen des Münstertals nicht bekannt ist, erinnert an die Gebetszeiten und dient den jungen Teilnehmern auch als Ventil für überschüssige Energie.
Zürichs Zwänzgerle am Rüdenplatz ist ein weiteres bekanntes Osterfest. Kinder bitten Erwachsene, 20-Rappen-Stücke auf ungeschälte Eier zu werfen und behalten Münzen, die haften bleiben – eine Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht und im Zweiten Weltkrieg pausierte, um später wiederbelebt zu werden. Aktuelle Debatten über Tierschutz und Lebensmittelverschwendung haben zur Diskussion einer veganen Alternative geführt.
In Romont, Freiburg, wird am Karfreitag eine stille Prozession der Pleureuses mit symbolträchtigen Objekten durch die Stadt geführt. Diese Tradition, die auf mittelalterliche Passionsspiele zurückgeht, zieht sowohl Gläubige als auch Touristen an.
In Ascona und anderen katholischen Regionen spielt das Osterfeuer eine zentrale Rolle in der Liturgie der Osternacht. Das Feuer symbolisiert die Auferstehung Jesu. Früher trugen Kinder die Glut nach Hause, um sie für den Ofen zu verwenden – ein Brauch, der mit modernen Reformen und Veränderungen im Wohngebrauch verschwunden ist. Heute erhalten die Gläubigen eine Miniatur-Osterkerze.
Diese vielfältigen Traditionen spiegeln die kulturelle Vielfalt der Schweiz wider und zeigen, wie historische Bräuche sich an moderne Lebensweisen anpassen.