Der US-Präsident Donald Trump hat verbündete Nationen sowie China dazu aufgerufen, Kriegsschiffe in die Meerenge von Hormuz zu entsenden, um den Schiffsverkehr abzusichern. Obwohl er Grossbritannien, Japan, Südkorea, China und Frankreich angesprochen hatte, gab es bis Sonntagabend keine Zusagen zur militärischen Unterstützung. Der Iran behindert weiterhin faktisch die Route, über welche zuvor etwa 20 Prozent des globalen Ölhandels flossen, nachdem es mehrfach Angriffe auf Schiffe gegeben hat.
Die Strasse von Hormuz, eine entscheidende Passage für den Transport von Erdöl und Gas, ist nahezu lahmgelegt. Während normalerweise täglich etwa 150 Schiffe durch die Meerenge passieren, waren es in der letzten Woche laut dem “Wall Street Journal” nur sechs bis sieben. Der Ölpreis hat infolgedessen deutlich zugenommen und stellt für Trump auch ein politisches Problem dar, vor allem angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA.
In Reaktion auf die Krise griff Trump bereits am Samstag militärisch zu: Er bombardiert nach eigenen Angaben “militärische Ziele” auf der iranischen Insel Kharg, einem wirtschaftlichen Nukleus Irans für Rohölexporte. Trotz dieser Maßnahmen betonte er, dass bei weiteren Störungen des Schiffsverkehrs durch den Iran eine Überdenkung der Entscheidung unmittelbar folgen würde.
Eine Eskorte allein könnte den Schiffsverkehr wieder ankurbeln, obwohl dies komplex wäre. Historisch gesehen hat die US-Marine bereits zwischen 1987 und 1988 Tanker durch die Strasse von Hormuz eskortiert. Heute müssten solche Missionen mit viel höherem Tempo ablaufen, da zu Friedenszeiten rund 50 Tanker täglich passierten. Sollte eine Eskorte dennoch zustande kommen, müssten die Schiffe vor Drohnenangriffen, Angriffen durch kleine Boote und Minen geschützt werden.
Die Gefahr durch Minen ist besonders groß: Laut einem deutschen Marineoffizier könnten Zerstörungen nur tagsüber vermieden werden, was den Verkehr erheblich verlangsamen würde. Somit würden wahrscheinlich deutlich weniger Schiffe passieren können als zuvor.
Die USA erhöhen nun ihren Druck auf andere Länder, um Kriegsschiffe zur Minimierung der Handelsstörung in die Strasse von Hormuz zu entsenden. Die asiatischen Alliierten zeigten sich zurückhaltend, während Europa möglicherweise interessiert ist: Frankreich drängt laut “Financial Times” auf einen gemeinsamen Einsatz. Der Konflikt könnte somit weitere Länder einbeziehen.
Trump behauptete am Samstag, dass Iran zu Verhandlungen bereit sei, betonte jedoch, dass die Bedingungen für ihn noch nicht zufriedenstellend seien. Irans Aussenminister Abbas Araghchi wies indes jegliche Bereitschaft zum Gespräch mit den USA zurück.
Die Situation bleibt angespannt und ohne klare Aussicht auf eine Beilegung des Konflikts.