Georgi Mkrtschjan genießt auf seinem halben Hektar Land in Meghri, im äußersten Süden Armeniens, seine Freiheit. Sein Rufname «der Kosake» spiegelt die Unabhängigkeit wider, die er hier gefunden hat, eingebettet zwischen den geopolitischen Spannungen mit Iran und Aserbaidschan. An seinem bevorstehenden 84. Geburtstag räumt Mkrtschjan sein Land auf, während er in die Landschaft blickt. Auf seinen Steinfiguren finden sich Karikaturen des armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan und dessen Ehefrau – ein Scherz, wie er sagt. Die Freiheit endet an der Grenze zu politischen Einflüssen: Donald Trumps Pläne für eine Straße in Armenien, die «Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand», sollen den Konflikt im Südkaukasus beenden. Doch ist es wirklich möglich, dass ein Verkehrsprojekt Frieden schafft? Die noch wenig befahrbare Straße verbindet derzeit nur kleinere Dörfer entlang der armenischen Grenze. Sollten die Friedensverhandlungen mit Aserbaidschan Erfolg haben, könnte sie auch Nachitschewan in Aserbaidschan erreichen. Die Region war lange Zeit von geschlossenen Landgrenzen und Kriegen gezeichnet. Im August unterzeichneten Paschinjan und Ilham Alijew, der Präsident Aserbaidschans, eine Friedenserklärung im Weißen Haus. Ein zentraler Punkt dabei ist das Verkehrsprojekt, das Trumps Namen trägt. Doch die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen. Mkrtschjan hat seine Freiheit nach einem Leben in St. Petersburg und einer zurückliegenden Ehe mit einer Russin gefunden. 2011 kehrte er alleine nach Meghri zurück. Er sieht in der Trump-Route eine notwendige Zugeständnispolitik, um als schwacher Staat überleben zu können. Für Gajane Awanesjan bedeutete die Flucht aus ihrer Heimat in Karabach zwei Jahre vorher den Verlust ihres Zuhauses und das Gefühl, im Stich gelassen worden zu sein. Ihre Familie hat sich ein neues Zuhause im Süden Armeniens aufgebaut, aber die Angst bleibt. Politologe Narek Sukiasjan sieht in der Trump-Route sowohl Kosten als auch Chancen für Armenien: Die Normalisierung mit Aserbaidschan könnte wirtschaftliche Abhängigkeiten schaffen und neue Konfliktkosten erhöhen. Harut Chatschatarjan, ein Großverteiler von Kakis in Meghri, hofft auf weniger Isolation durch die geplante Straße. Armen Dawtjan, der ehemalige stellvertretende Stationsvorstand des Bahnhofs von Meghri, erinnert sich an die besseren Zeiten und hofft auf eine Wiederbelebung der Eisenbahnstrecke. Für ihn ist seine Arbeit am Bahnhof Teil seines Beitrags zu einer friedlicheren Zukunft Armeniens. Mit einem endgültigen Friedensabkommen wird frühestens im nächsten Jahr gerechnet. Viele Fragen bleiben offen, während Mkrtschjan und Dawtjan sich vorerst mit ihren Früchten zufriedengeben müssen.