Der deutsche True-Crime-Podcast «Mord auf Ex» begrüsst seine Fangemeinde mit der Ansprache «Hallo liebe Exies!», was bei den Zuhörern, insbesondere bei Liveauftritten wie dem kürzlich im Zürcher Hallenstadion, für Begeisterung sorgt. Eine seiner Fans ist Salima, eine 28-jährige Primarlehrerin aus Luzern, die von der Show beeindruckt war: «Das war schon eine starke Show», erinnert sie sich an den Abend mit Bühnenbild und Schauspielern.
Salimas Vorliebe für True-Crime-Podcasts ist weit verbreitet. Diese Formate verzeichnen auf Streaming-Plattformen Millionen von Wiedergaben, wobei «Mordlust», «Zeit Verbrechen», «Plot House» und «Mord auf Ex» zu den bekanntesten im deutschsprachigen Raum zählen. Salima hat während der Corona-Zeit begonnen, diese Podcasts zu hören, wobei sie ursprünglich «Zeit Verbrechen» bevorzugte, aber nach einem Wechsel in die Host-Team zu «Mord auf Ex» wechselte.
Salima schätzt die Authentizität der Moderatorinnen Linn Schütze und Leonie Bartsch, die ihre Emotionen während der Fälle offen zeigen. Dies ermöglicht ihr eine Identifikation mit den Hosts: «Man hat fast das Gefühl, wir sitzen am gleichen Tisch», beschreibt sie.
Während Salima von diesen emotionalen und unterhaltsamen Aspekten angezogen wird, sieht der pensionierte Polizist Hanspeter Krüsi die Sache anders. Er kritisiert, dass Verbrechen nicht zur Unterhaltung genutzt werden sollten. «Es kann für Betroffene belastend oder retraumatisierend sein», meint er. Für ihn ist es wichtig, dass solche Fälle ruhen gelassen werden.
Hanspeter Krüsi glaubt zwar an die Notwendigkeit der Medienberichterstattung über Kriminalität, jedoch auf einer allgemeinen Ebene und nicht durch detaillierte Berichte über Einzelfälle. Im Gegensatz dazu vertreten Matthias von Wartburg und Ramona Drosner von «True Crime Schweiz» die Ansicht, dass Diskussionen anhand konkreter Fälle legitim sind, da sie gesellschaftliche Fragen aufwerfen.
Von Wartburg betont: «Wenn jemand ein Verbrechen begeht, verstösst er oder sie gegen unsere gesellschaftlichen Regeln.» Drosner fügt hinzu, dass die Diskussion um True-Crime-Storys für manche Betroffene heilend wirken kann.
«True Crime Schweiz» legt Wert darauf, Themen sorgfältig auszuwählen und sachliche Distanz zu bewahren. «Ich will informieren», sagt Drosner. Die beiden Hosts betonen die Bedeutung von Fakten statt unnötiger Details für das Storytelling.
Die Frage, ob Verbrechen auch unterhalten darf, wird im True-Crime-Podcast-Bereich unterschiedlich beantwortet. Während «Mord auf Ex» eine emotionale und narrative Herangehensweise verfolgt, legen andere Formate wie «Zeit Verbrechen» oder «True Crime Schweiz» mehr Wert auf journalistische Distanz.
Die Spannung zwischen Unterhaltung und Sachlichkeit ist ein Balanceakt für die Podcast-Produzenten. Beide Ansätze haben ihre Anhänger. Der SRF-Podcast «True Crime Schweiz» konzentriert sich auf echte Schweizer Kriminalfälle, indem er alle zwei Wochen mit Menschen spricht, die direkt beteiligt waren.
Radio SRF 3, Input, 05.04.2026, 20:00 Uhr; noes