Wie reagieren Menschen, deren Häuser durch Flusserosion zerstört werden? Diese Frage wird von Jan Freihardt der ETH Zürich anhand einer Studie mit 1700 Familien in Bangladesch beleuchtet. Hierbei zeigt sich: Die meisten ziehen es vor, in unmittelbarer Nähe neu zu bauen und nehmen dafür Kredite auf, statt wegzuziehen. Diese Erkenntnis widerlegt das weit verbreitete Bild von Massenmigration durch den Klimawandel.
Etienne Piguet, ein Migrationsforscher der Universität Neuenburg, unterstützt diese Beobachtung und betont: “Die meisten klimabedingten Umzüge erfolgen auf kurze Distanzen.” Finanzielle Grenzen spielen dabei oft eine entscheidende Rolle.
Südliche Länder werden laut Studien am stärksten von Klimamigrationen betroffen sein, insbesondere Afrika südlich der Sahara und Südasien. In diesen Regionen stellen wirtschaftliche Herausforderungen sowie Umweltveränderungen die Lebensgrundlagen in Frage.
In Blatten verursachte der Schmelzprozess des Birchgletschers zusammen mit permafrostbedingten Erosionen einen Bergsturz, ohne den der Klimawandel nicht möglich gewesen wäre. Die Definition von “Klimamigrant” bleibt jedoch umstritten und wird zunehmend durch den Begriff “Klimamobilität” ersetzt.
Die Quantifizierung der Klimamigration ist komplex, da Forschungszahlen stark variieren. Eine Weltbank-Studie aus dem Jahr 2021 prognostizierte 216 Millionen künftige Binnenmigranten bis 2050, doch Freihardt hält diese Zahl für übertrieben.
Prognosen sind schwierig, da viele Faktoren wie Bevölkerungswachstum und städtische Entwicklung eine Rolle spielen. Die Anpassungsfähigkeit der Menschheit an klimatische Veränderungen bleibt ebenfalls ein Unsicherheitsfaktor.
Trotz dieser Unsicherheiten stimmen Forscher darin überein, dass Klimamigration zunehmen wird. Daher ist es entscheidend, effektive Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen, um die Notwendigkeit von Migrationen oder Fluchtbewegungen zu minimieren.