Gold, oft als “Krisenwährung” bezeichnet, hat in Krisenzeiten traditionell seine Beständigkeit bewiesen. In der jüngsten Phase des Iran-Konflikts jedoch ist der Goldpreis unerwartet gefallen – ein Phänomen, das Experten erklären können. Im Gegensatz zu Aktienkursen, die oft in Krisenzeiten sinken und somit eine Zunahme bei Gold nach sich ziehen, verzeichnete das Edelmetall von Ende Februar bis zum 28. Januar einen Preisrückgang um fast 18 Prozent. Die Feinunze Gold war laut Bloomberg am 28. Januar für 5417 Dollar zu haben, fiel im März auf 5322 Dollar und erreichte dann 4519 Dollar.
Alexander Zumpfe von Heraeus erklärt den Rückgang mit einer Kombination aus Faktoren: Neben geopolitischen Risiken spielen auch Zinssätze, die Stärke des Dollars und Inflationserwartungen eine Rolle. Höhere Ölpreise verstärkten Inflationssorgen und wirkten sich negativ auf die Erwartung schneller Zinsanhebungen aus. Der Dollar blieb stabil, was kurzfristig dem Gold entgegenwirkt.
Severin Lienhard von Finreon beschreibt den starken Anstieg des Goldpreises im Vorjahr als “rasante Entwicklung”, die einen nachvollziehbaren Rückgang zur Folge hatte. Claudio Wewel von der Bank J. Safra Sarasin vermutet, dass viele Investoren Gewinne mitnahmen, angesichts der starken Performance zu Jahresbeginn. Zudem könnte der Verkauf von Goldreserven durch die türkische Zentralbank zur Stabilisierung der Lira einen Einfluss gehabt haben.
Ein Preisrückgang am Anfang einer Krise ist nicht ungewöhnlich, wie Wewel betont. Investoren benötigen oft Liquidität und verkaufen Goldanteile, um Verluste aus anderen Risikoanlagen zu decken – ein Vorgang, der bereits in der Finanzkrise 2008 und während der Corona-Krise beobachtet wurde.
“Gold reagiert nicht automatisch auf Krisen”, erläutert Zumpfe. Erwartungen an eine direkte Korrelation zwischen Krisen und Goldpreissteigerung seien oft zu simplifiziert. Langfristig bietet das Edelmetall Schutz vor Inflation, Währungsabwertungen sowie Vertrauensverlust in Geldsysteme.
Wewel schließt nicht aus, dass der jüngere Preiseinbruch keine dauerhafte Trendumkehr signalisiert. Viele Investoren suchen weiterhin Alternativen zum Dollar und die geopolitische Unsicherheit bleibt bestehen. Ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran könnte das Ansehen der USA schädigen und Gold positiv beeinflussen, da es in einer Welt, in der der Dollar an Bedeutung verliert, eine wichtige Rolle spielt.
Privatanleger sollten beachten, dass der Goldpreis stark schwankt. Lienhard erwähnt die Zeiträume zwischen 1980 und 2001 sowie von 2013 bis 2020, in denen der Preis deutlich sank. Dennoch empfehlen viele Anlageexperten, Gold als Absicherungsinstrument im Portfolio zu halten. Es bietet eine gegenläufige Entwicklung zu anderen Anlagen und birgt keine Ausfallrisiken.
Zumpfe rät Privatanlegern, etwa 5 bis 10 Prozent ihres Portfolios in Gold anzulegen, um dessen Stärken als Absicherungsinstrument optimal zu nutzen. Lienhard hebt hervor, dass auch große Schweizer Pensionskassen wie Publica und Profond Goldanteile halten, was sich kürzlich in ihren Jahresrenditen bemerkbar machte. Einige Vorsorgeeinrichtungen bleiben jedoch zurückhaltend, da Gold keine regelmäßigen Erträge bietet.