Finnlands geografische Lage stellt eine Herausforderung dar: Es teilt über 1300 Kilometer Grenze mit Russland. Die Ostsee ist Schauplatz von Einsätzen gegen russische Schiffe, die unter falschen Flaggen operieren und Seekabel beschädigen. Mit einer Landfläche von rund 340’000 Quadratkilometern ist Finnland etwa achtmal größer als die Schweiz. Trotzdem sieht Verteidigungsminister Martin Pfister einen Bezug zur Schweizer Sicherheitspolitik, wie er während seiner Reise in Finnland gegenüber SRF äußerte: “Auch wir sind auf unterseeische Kommunikationskabel angewiesen und Teil einer bedrohten europäischen Gemeinschaft.”
Historisch betrachtet blieb die Schweiz im Zweiten Weltkrieg größtenteils unbelastet, während Finnland den finnischen Winterkrieg erlebte – ein Konflikt mit der Sowjetunion in den Jahren 1939 und 1940, der bis heute einen starken Wehrwillen in der Bevölkerung hervorruft. In der Schweiz ist dieser Wille laut Umfragen weniger ausgeprägt. Pfister betonte die Bedeutung der Entschlossenheit: “Es ist wichtig, für das eigene Wohl zu sorgen.” Ein historischer Berührungspunkt findet sich im Leben von General Carl Gustav Emil Mannerheim, der seine letzten Jahre am Genfersee verbrachte.
Finnland trat nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2023 der Nato bei und hat damit seine Neutralität aufgegeben. Finnland arbeitet besonders eng mit skandinavischen Staaten in Fragen der Luftverteidigung zusammen. Die Schweiz hingegen bleibt unabhängig und verfolgt eine autarke Verteidigungsstrategie ohne Bündnisbindung.
In Bezug auf das Verteidigungsbudget geben Finnland und die Schweiz ähnliche Beträge in absoluten Zahlen aus – rund 7 Milliarden Franken jährlich. Doch relativ zum Bruttoinlandsprodukt investiert Finnland mit 2,4 Prozent doppelt so viel wie die Schweiz, die sich bei einem Prozent des BIP einpendeln möchte. Pfister plant eine Erhöhung auf bis zu fünf Prozent für Finnland und möchte das Budget der Schweizer Armee um 31 Milliarden Franken steigern – finanziert durch eine Mehrwertsteuererhöhung von 0,8 Prozentpunkten.
Die finnische Armee basiert wie die schweizerische auf dem Milizsystem. Finnland kann jedoch bis zu 900’000 Reservisten mobilisieren, während die Schweiz über 147’000 Soldatinnen und Soldaten verfügt. Bei nur etwa fünf Millionen Einwohnern im Vergleich zur Schweiz mit neun Millionen Menschen plant Finnland zudem eine Erhöhung des Wehrpflichtalters auf 65 Jahre. In der Schweiz endet die Dienstzeit meistens mit 30 Jahren.
Die Meinungen unter den reisenden Parlamentsmitgliedern sind geteilt, vor allem aus linken Kreisen kommt Skepsis bezüglich einer Erhöhung des Verteidigungsbudgets. Die Berner SP-Nationalrätin Tamara Funiciello argumentiert, dass die Armee einen klaren Plan benötige für den Umgang mit mehr Geld. Sie bezeichnet Finnlands Strategie als “gut geplant”.
Matthias Zopfi, Grüner Ständerat aus Glarus, weist darauf hin, dass Finnland von der Schweiz eine verstärkte Aufrüstung erwartet: “Finnlands Investitionen in die Seesicherheit bedeuten Erwartungen an entsprechende Anstrengungen unsererseits.” Pfister berichtete nach einem Treffen mit seinem finnischen Amtskollegen über ähnliche Wünsche: Finnland versteht zwar die schweizerische Neutralität, erhofft sich jedoch eine stärkere Beteiligung an der europäischen Sicherheit.
Quelle: 10vor10, 25.03.2026, 21:50 Uhr;stal