Gianna Olinda Cadonau präsentiert in ihrem Buch «Am Kantenhain» eine Sammlung von Erzählungen über Charaktere, die sich alle auf unterschiedliche Art und Weise auszeichnen. Jede Geschichte porträtiert einen einzigartigen Protagonisten, der mit Herausforderungen konfrontiert ist.
In «NINAS LIEDER» geht es um Nina, eine junge Frau mit einem Hund, deren auffallend helle Augen im Kontrast zu ihrer braunen Haut stehen. Sie begegnet einem jungen Mann und gewinnt sein Vertrauen, indem sie ihm romanische Volkslieder vorsingt, ohne viele persönliche Details preiszugeben.
Die Erzählung «DIE REGEL» dreht sich um Tim, einen autistischen Jungen, der auf dem Weg nach Hause Gegenstände zählt und streng darauf achtet, nicht zu fehlen. Als er einmal eine Regel bricht, gerät er in Panik und vernachlässigt seine Aufgaben. Sein Vater reagiert mit körperlicher Züchtigung.
Anju aus «WÖRTER UND BLICKE» ist sprachlich eingeschränkt und besucht eine Schule für Analphabeten, wie ihre Schwester behauptet. Ihre Familie schätzt die Leistungen der Schwester mehr als die von Anju, was sie ins Waldesdickicht treibt, wo sie ein Gefühl von Zuhörerfahrung wiederentdeckt.
Dina in «STEH AUF» hat eine depressive Mutter und wird von deren Mutter versorgt. Ein Welpen schenkt ihr Hoffnung und Anziehungskraft auf einen Nachbarsjungen, obwohl es verboten ist, sich zu treffen.
Die Erzählerin in «JAHRHUNDERTEREIGNIS» beschreibt ihre Isolation nach dem Verlust ihrer Brüder. Bei steigendem Flutwasser findet sie im Regen eine Begleiterin.
Violas Geschichte «DIE LEEREN STUNDEN» thematisiert die Abhängigkeit von ihrem Mann, während dessen Abwesenheit ihr Leben ein Stück Freiheit gewährt. Sie verlässt geistig ihren Körper, um seine Forderungen zu erfüllen.
Anna kehrt in «NUR DIESEN ORT» nach einer Fehlgeburt zurück an den Ort ihrer Kindheit. Ihr Vater empfängt sie ohne Fragen und stellt ihr Schokolade sowie ein Kirschkernkissen aufs Bett.
Miranda, die Protagonistin von «SOMMERENDE», wird als Fremde behandelt und in eine missliche Lage gebracht. Die Medien verzerren später den Vorfall zu einem Unfall, während es für ihre Mitschüler nur das Ende des Sommers markiert.
In der Kurzgeschichte «CIRILLA UND SELENA» benötigt Selena Cirillas Namen als Inspiration zum Schreiben. Jahre nachdem sie sich getroffen haben, werden beide von den belastenden Erinnerungen befreit.
«MITTWINTER» erzählt von einem Großvater, der ein Wunder in Steinbrocken wusste und es seinem Enkel Curdin nur im Stillen mitteilen durfte. Als Zugvögel mitten im Winter zurückkehren, offenbart sich das Geheimnis.
Schließlich zeigt «AM KANTENHAIN» eine Gemeinschaft, die aus verschiedenen Individuen besteht: eine Gärtnerin mit einem Bison und Menschen wie Hanna oder Braco, die Teil einer geteilten Lebensweise sind. Dieses Werk wurde von Tina Uhlmann unter Mitwirkung der Gottlieb und Hans Vogt Stiftung präsentiert.