Seit fast zwei Jahren trainiert Vincent Kompany den FC Bayern und meistert dabei geschickt die Herausforderungen des Klubs, an denen andere gescheitert sind. Seine Aussage bei der Vorstellung in München, er müsse das bayrische ‘Habe die Ehre’ verstehen, da er mit seinem Team für mehrere Jahre dort ansässig sein würde, wurde von den Journalisten belächelt. Doch Kompany nahm es ernst: Fünf bis sieben Jahre als Bayern-Trainer erschienen damals utopisch – eine Zeitspanne, in der viele Trainer scheiterten oder wechselten.
Hansi Flick, derzeit Trainer des FC Barcelona, war einer von wenigen, die mit den Bayern für Aufsehen sorgten. Sein Vorgänger Rummenigge wünschte sich seinerzeit, dass Flick ‘lange, lange, lange’ bleibe – ein Zeitraum von drei bis fünf Jahren galt als außergewöhnlich lang.
Kompany hat bereits zwei Drittel der magischen Zeitspanne von drei Jahren erreicht. Nach dem 4:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart, mit dem die Bayern die Meisterschaft sicherten, ist dies ihre zweite unter seiner Führung. Die erste Saison diente noch als Anpassungszeit, während Kompany und sein Team lernten, effektiver zu werden. Mit nunmehr 79 Punkten nach 30 Spielen und 109 Toren – 48 mehr als der Zweite Borussia Dortmund – erreicht er nahezu die Rekorde von Jupp Heynckes aus dem Jahr 2013. Ein Triple bleibt zudem möglich.
Das Team, das gegen Real Madrid triumphierte, wurde in Europa als ‘das spektakulärste Team’ bezeichnet und konnte den Rivalen im Viertelfinale der Champions League schlagen – ein Sieg seit 2012 gegen diese Mannschaft. Neben dem ästhetischen Ansatz zeichnet sich Komanys Arbeit auch durch die Fähigkeit aus, in einem hochkompetitiven Umfeld zu bestehen.
Viele erfahrene Trainer wie Louis van Gaal oder Thomas Tuchel hatten mit den Bayern zu kämpfen. Julian Nagelsmann und Hansi Flick verstanden es nicht, sich adäquat dem Klub anzupassen. Heynckes verließ trotz eines Champions-League-Sieges die Mannschaft, weil er nicht wollte, dass Jupp Heynckes’ Nachfolger bereits feststand.
Kompany navigiert geschickt durch diese Herausforderungen und findet eine Balance zwischen sportlichem Erfolg und der Befriedigung von Entscheidungsträgern. Uli Hoeness lobte ihn dafür, die Grenzen des Klubs zu akzeptieren, obwohl er Spieler wie Xavi Simons nach München holen wollte. Die Bayern entschieden sich jedoch dagegen.
Kompany ist es gelungen, mit jungen Spielern erfolgreich zu sein und dadurch deren Zukunft bei den Bayern zu sichern. Obwohl Díaz teuer war und man bereit war, für Florian Wirtz viel Geld auszugeben, betont Hoeness die wirtschaftliche Vernunft des Klubs unter Kompany – ein Mann, der nach Aussagen von Hoeness nicht die erste Wahl war, sondern eher die fünfte.