Waris Dirie, eine Somalierin, erlebte einen bemerkenswerten Aufstieg von der Nomadin zum gefeierten Model. Mit ihrer Autobiografie brachte sie das weitgehend unbekannte Menschenrechtsproblem der Genitalverstümmelung afrikanischer Frauen in den Westen. Ihre Geschichte ist so unglaublich, dass sie wie ein Märchen wirkt.
Geboren 1960, wuchs Dirie als Tochter einer Nomadenfamilie in der somalischen Wüste auf. Als ihr zwölfjähriges Leben von einer arrangierten Ehe mit einem älteren Mann bedroht war, floh sie allein durch die Wüste zu ihrer Großmutter nach Mogadischu. Nachdem dies keine dauerhafte Lösung bot, emigrierte Dirie schließlich zu Verwandten nach London.
In der britischen Hauptstadt verdiente sich die 13-Jährige ihren Lebensunterhalt mit einem Job als Reinigungskraft in einer McDonald’s-Filiale. Dort entdeckte ein Fotograf sie zufällig und ebnete den Weg für ihre Karriere als gefragtes Topmodel, insbesondere in den 1990er Jahren.
Dirie nutzte ihre Popularität effektiv, um 1998 eine Autobiografie zu veröffentlichen. Darin thematisierte sie die Genitalverstümmelung, ein Tabuthema im Westen. Mit fünf Jahren hatte Dirie selbst eine Infibulation durchlaufen – den schwersten Eingriff dieser Praktik, bei der Klitoris und innere Schamlippen entfernt werden.
Sie beschreibt das Gefühl des Verrats durch die Erwachsenen, die sie unterworfen haben. Für ihre Familie war es selbstverständlich, dass Dirie eine „anständige“ Ehefrau wird, obwohl dies lebenslange Schmerzen und Infektionen mit sich brachte.
Besonders aufschlussreich ist Diries Bericht über die kulturelle Kluft in Großbritannien: Dort hatten Frauen keine ähnlichen Probleme, was sie schockierte. Ihre Erzählungen führten dazu, dass die Vereinten Nationen sie Ende der 1990er Jahre zur Sonderbotschafterin gegen Genitalverstümmelung ernannten.
Das Buch «Wüstenblume» hat unbestreitbar Einfluss gehabt. Es brachte das Leiden afrikanischer Frauen weltweit in den Fokus und beleuchtete die Praktik als Menschenrechtsverletzung, gegen die weiterhin gekämpft werden muss.