Ein zunehmend größerer Anteil an Paaren wendet sich medizinischen Behandlungen zu, um ihren Kinderwunsch zu verwirklichen. Psychologin Karin Schmidt-Zimmerli erklärt jedoch, dass viele dieser Paare seelische Unterstützung benötigen.
Bei etwa 15 bis 20 Prozent der Paare gelingt es nicht auf traditionelle Weise, ein Kind zu bekommen. Karin Schmidt-Zimmerli, Fachpsychologin für Psychotherapie und Expertin in Sachen unerfüllter Kinderwünsche, beobachtet einen Anstieg an Patienten. Obwohl medizinische Optionen zunehmen, bleiben viele kinderlos.
Frau Schmidt-Zimmerli erläutert, dass ungefähr jedes fünfte bis sechste Paar mit ungewollter Kinderlosigkeit konfrontiert ist; die Ursachen liegen oft bei der Frau oder dem Mann, manchmal beiden. In ihrer Praxis stehen psychische Unterstützung und Entscheidungsprozesse im Mittelpunkt: Sollen Behandlungen eingeleitet werden? Oder soll man Abschied nehmen?
Die finanzielle Belastung durch Fruchtbarkeitsbehandlungen in der Schweiz ist beträchtlich. Eine In-vitro-Fertilisation (IVF) kostet zwischen 6000 und 10 000 Franken, wobei oft mehrere Versuche nötig sind. Frauen organisieren Spritzen, Arzttermine und müssen Arbeitspausen erklären. Die psychische Belastung ist für viele jedoch am schwersten zu tragen.
Die Psyche reagiert auf diese Achterbahn der Hoffnung und Enttäuschung oft mit depressiven Symptomen und Kontrollverlust. Trotz moderner Lebensformen, in denen Kinder keine Altersvorsorge mehr darstellen müssen, bleibt das Bedürfnis nach eigenen Kindern bestehen – ein grundlegendes menschliches Bindungsbedürfnis.
Viele Jahre lang verfolgen Paare mit Fruchtbarkeitsbehandlungen einen hohen emotionalen und finanziellen Einsatz. Trotz aller Hoffnung endet es oft in Verzweiflung, wenn keine Schwangerschaft eintritt. Nach zahlreichen Versuchen finden viele jedoch dennoch einen Abschluss.
Während Frauen häufiger Unterstützung suchen, kommen Männer meist nur mit ihren Partnerinnen zur Beratung. Sie tendieren dazu, sich abzulenken und bleiben oft still in ihrem Leid. Diese unterschiedlichen Umgangsweisen können zu Partnerschaftskrisen führen.
Das Thema Kinderwunsch kann auch andere Beziehungen belasten, besonders wenn Freunde oder Kollegen Erfolg haben. Viele ziehen sich aus dem Sozialleben zurück, um Schmerz und Neid zu vermeiden.
Auch Männer leiden unter Unfruchtbarkeit; das Gefühl der Minderwertigkeit betrifft beide Geschlechter gleichermaßen.
Während Adoption als Alternative existiert, ist sie in der Praxis oft schwierig. Viele Betroffene fühlen sich von Ratschlägen wie “adoptiere doch!” verletzt.
Wenn Paare weiterhin kinderlos bleiben, ziehen viele Karriere- und Lebensentscheidungen zurück und konzentrieren sich auf die Behandlungen. Fällt der Wunsch nach einem eigenen Kind dennoch durch, müssen neue Lebensperspektiven entwickelt werden. Vorbilder können helfen, ein erfülltes Leben auch ohne Kinder zu gestalten. Der Trauerprozess ist langwierig und sollte nicht überstürzt werden.