Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit war die europäische Rechte erfreut über Donald Trumps Wiederwahl, da sie einen politischen Vorteil erhoffte. Mittlerweile jedoch hat Trump selbst jene entfremdet, die ihn einst unterstützten – aus diversen Gründen. Hier sind vier Beispiele dafür:
Giorgia Meloni, früher als “wahre Anführerin” von Trump gelobt, versuchte sich als Mittlerin zwischen Europa und dem US-Präsidenten zu etablieren. Franco Battel, Korrespondent bei Radio SRF in Italien, beschreibt: “Melonis Sympathien für die amerikanische Rechte, Trump und die Republikaner waren offensichtlich. Trump bezeichnete Meloni als eine schöne, erfolgreiche Frau, und sie wiederum wollte ihm den Friedensnobelpreis verleihen.”
Franco Battel ist seit 2024 wieder Italienkorrespondent bei Radio SRF. Vor seiner Rückkehr war er von 2015 bis 2021 in Rom für Italien und den Vatikan tätig und zuvor als Korrespondent für Mexiko, Zentralamerika, Kuba und Liechtenstein verantwortlich.
Doch Trumps Kritik am Papst Leo X. und sein Kurs im Iran-Krieg führten zum Bruch. Unter öffentlichem Druck distanzierte sich Meloni kürzlich deutlich von Trump, was zu einer Eiszeit zwischen beiden führte.
Nigel Farage, Chef der Partei Reform UK, war zumindest ein Jahrzehnt lang Trumps Freund und bezeichnete ihn als “mutigsten” Menschen, den er je getroffen habe. Beide bedienten mit dem Brexit und der America-First-Politik ähnliche gesellschaftliche Gruppen. Doch die Freundschaft ist abgekühlt.
Fiona Endres, SRF-Auslandredaktorin mit einem Bachelor in Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Zeitgeschichte und einem Master in Geschichte, wird bald als Korrespondentin für Radio SRF in London arbeiten. Sie fasst die Lage so zusammen: “Trumps Popularität schadet Farage zunehmend. In Großbritannien ist Trump unbeliebt – seine plumpen Sprüche stören viele, ebenso wie Zölle und der Iran-Krieg. Umfragen zeigen, dass potenzielle Wähler die Freundschaft zwischen Trump und Farage als Wahlgrund anführen, weshalb Farage nun Distanz wahrt.”
In Deutschland war vor allem die AfD Trump zugeneigt, besonders gegen das “Woke” und Linke einstimmig. Co-Parteichefin Alice Weidel traf sich sogar mit Trump. Stefan Reinhart, Leiter der Auslandkorrespondenten bei SRF, berichtet: “Die Unterstützung für Trump schwindet in Deutschland nun auch wegen des Irankrieges, der wirtschaftliche Schaden anrichtet. Der Osten der AfD hielt sich traditionell von Trump fern, da dort viele Menschen Russland-affin sind.”
Marine Le Pen, damals Chefin des Front National, sah 2016 in Trumps Wahl eine “gute Nachricht für Frankreich” und lobte ihn wiederholt. Steve Bannon wurde sogar auf einem Parteitag im Jahr 2018 eingeladen. Zoe Geissler, SRF-Korrespondentin aus Paris mit Studienabschlüssen in Internationalen Beziehungen, Politikwissenschaften und Gender Studies, erklärt: “Trumps aggressive Außenpolitik könnte das RN zur Distanzierung bewogen haben. Le Pen kritisierte die US-Operation in Venezuela scharf. Zudem ist Trump in Frankreich unbeliebt, was dem RN bei den Präsidentschaftswahlen 2027 zugutekommen soll und sie zu einer Kursänderung veranlasst hat.”