Trotz der Bombardierung von über zehntausend Zielen durch die USA und des Tötens zahlreicher hochrangiger Generäle durch Israel setzt Teheran den Beschuss des Nahen Ostens mit Drohnen und Raketen fort. Zwei wesentliche Gründe erklären diese Fähigkeit: Die intensive Vorbereitung auf diesen Krieg seitens Irans und die anhaltende Effektivität seiner Abschusstechnologien. In der sechsten Woche des Konflikts feuert Iran weiterhin täglich etwa 30 bis 35 Raketen ab, während es mehr als doppelt so viele Drohnen einsetzt – eine Rate, die sich in den letzten Monaten kaum verändert hat. Diese Fähigkeit zeigt, wie weit Israel und die USA von der Erreichung ihres Hauptkriegsziels entfernt sind. Seit Kriegsbeginn haben die USA über 13.000 und Israel über 10.000 Ziele im Iran angegriffen, wobei Irans Raketenarsenal schnell ins Visier genommen wurde. Dies führte zu einem vorübergehenden Rückgang der abgefeuerten Geschosse um mehr als 80 Prozent, doch die Angriffe haben sich auf diesem niedrigeren Niveau stabilisiert und beeinträchtigen das Leben in Israel und am Golf erheblich. Danny Citrinowicz vom Institute for National Security Studies erklärt, dass Iran mobile Abschussrampen für seine ballistischen Raketen nutzt, die seit Jahrzehnten in den Bergen versteckt sind. Diese können innerhalb von zwei Stunden betankt und abgefeuert werden, ähnlich wie bei der Huthi-Miliz im Jemen. Citrinowicz betont weiterhin, dass einige Abschussrampen unmittelbar nach dem Abschuss bewegt werden, wodurch das Zeitfenster zur Erkennung und Verhinderung eines Angriffs extrem kurz ist. Einige Rampen sind lediglich umgebaute Lastwagen, die in wenigen Tagen neu aufgebaut werden können. Laut Berichten wurden einige unterirdische Basen bei Bombardierungen nur verschlossen, aber nicht zerstört, was Iran ermöglichte, sie innerhalb von zwölf Stunden wieder funktionsfähig zu machen. CNN berichtet, dass 50 Prozent der iranischen Abschussrampen unbeschädigt blieben. Irans Raketenbestand ist damit ausreichend, um die Angriffe noch Monate lang aufrechtzuerhalten. Die gezielten Tötungen von Generälen und Bombardierungen von Kommandozentralen haben bisher keinen Einfluss auf den Beschuss genommen. Die dezentralisierte Befehlsstruktur Irans ermöglicht es, schnell auf Angriffe zu reagieren, wie der Anschlag in Dimona zeigte. Die USA hatten ursprünglich die Schwächung Irans bezüglich Raketenangriffen als ein zentrales Kriegsziel definiert. Doch trotz einer Reduzierung um mehr als 80 Prozent seit Beginn des Krieges zeigt sich, dass der Beschuss aus Teheran nicht abreißen wird. Ein kommendes NZZ Live-Event am Mittwoch, den 27. Mai 2026, diskutiert die geopolitischen Folgen des Iran-Kriegs und vergleicht die Krise mit dem Fall der Berliner Mauer.