Der europaweite Einbruch im Weinsektor spürt auch die Schweiz. Die Walliser Firma Provins, ein bedeutender Akteur der Branche, verarbeitet mehr als jede zehnte Walliser Traube. Bei ihrer Generalversammlung am Donnerstagabend kündigte das Unternehmen für 2025 einen Verlust von fast 6 Millionen Franken an und erklärte drastische Massnahmen zur Sicherstellung des Fortbestands. Generaldirektor Michel Charbonnet berichtete im Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS), dass der Konsum von Walliser Wein seit den 1990ern um 18 Millionen Liter zurückgegangen sei, während die Produktion nur um 5 Millionen Liter abnahm. Dieses Ungleichgewicht belastet Preise und Margen schwerwiegend. “Provins hat sich nicht schnell genug an diese Veränderungen angepasst”, räumte er ein. Seit 2020 wurden jedoch bereits Rebflächen von 270 Hektar reduziert. Fenaco, der Hauptaktionär von Provins und eine Schwergewicht in der Schweizer Landwirtschaft sowie Importeur ausländischer Weine, verteidigte sein Engagement für den heimischen Wein: “2020 hat Fenaco massiv investiert, um Provins zu retten”, erklärte Charbonnet. Um die Existenz zu sichern, plant Provins nun, keine Trauben mehr von Rebbergen in Bauzonen anzunehmen. Diese Flächen können weiterhin kostengünstig verkauft werden, was etwa 40 Hektar betrifft. “Wir möchten ein deutliches Signal setzen, dass es zum Rückbau der Reben kommen wird”, erklärte Charbonnet. Solche Grundstücke sind auch ohne Trauben für Eigentümer wertvoll und oft von Hobby-Winzern genutzt. Des Weiteren will Provins weniger Rebberge pachten und erwägt, bestimmte Rebsorten fallen zu lassen sowie die Vergütung für Traubenernten zu senken. Zudem plant das Unternehmen Investitionen in Höhe von 20 Millionen Franken in einen neuen Weinkeller. Die Überproduktion von Rebflächen ist aus Sicht des Unternehmens der Kern des Problems, nicht Importbeschränkungen. Provins appelliert an die Branche, sich auf Rebanbau-Reduktion zu einigen. Die Zukunft des Weinbaus sieht Provins in Professionalisierung: “Die jüngeren Generationen sind weniger am Weinbau interessiert”, so Charbonnet. “Wir glauben jedoch, dass professionelle Winzer die Zukunft gestalten werden.” Bei der Generalversammlung zeigten die 212 Anwesenden keine Reaktion auf die Ankündigung über das Ausreissen von Rebbergen in Bauzonen. Es gab lediglich vereinzeltes Gemurmel im Saal, aber keinen Protest. Seit Fenacos Übernahme von Provins im Jahr 2020 trifft der Hauptaktionär alle Entscheidungen. Die Kleinaktionäre scheinen resigniert zu sein und es wird erwartet, dass weitere Kellereien ähnliche Maßnahmen ankündigen werden.