Nach elf Monaten seit dem Bergsturz nimmt Blatten VS die Arbeiten für den Wiederaufbau auf. Am Dienstag begannen die Bauarbeiten für eine neue Kantonsstrasse zwischen Blatten und Wiler sowie für eine temporäre Seilbahn, um den Bewohnerinnen und Bewohnern nach der Katastrophe wieder dauerhaften Zugang zum Tal zu ermöglichen.
Staatsrat Franz Ruppen erklärte bei einer Medienkonferenz kurz vor dem ersten Spatenstich: «Wir wollen die notwendigen Voraussetzungen schaffen, damit in diesem Tal wieder nachhaltig und dauerhaft gelebt werden kann.» Dafür seien verlässliche, langlebige und sichere Infrastrukturen erforderlich.
Der Felssturz vom 28. Mai hatte die Zugänge ins Lötschental erheblich beeinträchtigt. Obwohl eine Notstrasse den Verkehr teilweise wieder ermöglichte, ist sie extremen Naturgefahren ausgesetzt und im Winter unpassierbar.
Die neue Kantonsstrasse soll Blatten ganzjährig und dauerhaft erschließen, wie der Vorsteher des Departements für Mobilität, Raum und Umwelt betonte. «2026 beginnen wir mit einer geordneten, nachhaltigen Wiederherstellung.»
Gemeindepräsident Matthias Bellwald beschrieb das Ereignis als «hochsymbolisch», da es den Beginn der Wiederaufbauarbeiten markiert. «Für Blatten bedeutet das Zukunft, Hoffnung und Sicherheit – wir sind auf dem Weg zu einem neuen Kapitel im Jahr 2030.»
Die rund 2,8 Kilometer lange Trasse der Kantonsstrasse wurde basierend auf einer Gefahrenkarte des Dienstes für Naturgefahren von November 2025 konzipiert und führt auf der gegenüberliegenden Seite des Kleinen Nesthorns.
Der Bau startet in Wiler mit einem Anstieg zum Tennbach, etwa 1550 Meter über Meer, bevor er Blatten erreicht. Der Anschluss innerhalb des Dorfes bedarf weiterer Planung, wie Stefan Luggen, stellvertretender Leiter des Amts für Mobilität, erläuterte.
Eine schnelle Wiederherstellung der Verbindung war von hoher Bedeutung. Es gab verschiedene Varianten, darunter einen Tunnel, doch dieser hätte mehrere Jahre in Anspruch genommen. Einige Abschnitte müssen zuerst von Trümmern befreit werden, um die Sicherheit der Arbeiter zu gewährleisten.
Die Baustelle wurde im beschleunigten Verfahren auf drei bis vier Jahre geplant. Eine provisorische Seilbahn mit zwei Stationen und zwei Kabinen für jeweils acht Personen soll ab Dezember in Betrieb gehen, um Transport von Personen und Gütern zu ermöglichen.
Die Seilbahn wird während etwa drei Jahren betrieben, bis die übrigen Zugänge wiederhergestellt sind. Der Staatsrat sprach Anfang April zwei Verpflichtungskredite: 29,7 Millionen Franken für die Strasse und 9,3 Millionen Franken für die Seilbahn.
Gemeindepräsident Bellwald lobte das «beeindruckende, schnelle und unkomplizierte Vorgehen» von Kanton und Partnern. Die Arbeiten am Wiederaufbau von «Blatten 2030» schreiten zügig voran.
Die nächsten Schritte umfassen die Vorbereitung des Dorfgebiets, die Planung der Quartiere sowie die Weiterentwicklung der Wohnzonen. Bellwald betonte abschließend: «Eine gut ausgebaute Verbindung bedeutet für uns wirtschaftliches Wachstum, Tourismus und Arbeitsplätze sowie die tägliche Rückkehr in unser geliebtes Tal.»