Zu Kriegsbeginn in Iran zeigte sich die chinesische Führung überwiegend zurückhaltend. Offizielle Mitteilungen des Aussenministeriums mahnten zwar zur Zurückhaltung, doch blieb Chinas Reaktion ansonsten unauffällig. In einer jüngsten öffentlichen Äusserung hob Präsident Xi Jinping die Einhaltung des Völkerrechts hervor, ohne dabei direkt die USA oder Präsident Trump zu erwähnen. Samuel Emch, SRF-Ostasienkorrespondent, erläutert Hintergründe dieser Kursänderung.
Seit Sommer 2022 ist Samuel Emch für SRF als Ostasien-Korrespondent tätig, nachdem er mehrere Jahre als Wirtschaftsredaktor gearbeitet hatte. China hat ein starkes Interesse daran, dass die Strasse von Hormus schnell wieder passierbar wird und arbeitet daher im Hintergrund für einen Frieden. Der chinesische Aussenminister führte Dutzende Telefonate mit betroffenen Staaten, und Xi empfing den Kronprinzen von Abu Dhabi, um vier Vorschläge zur Beilegung des Konflikts zu unterbreiten. Ein Hauptziel ist es, wirtschaftlichen Schaden durch eine blockierte Meerenge abzuwenden.
Die Strasse von Hormus spielt eine zentrale Rolle im Versorgungsnetz: Rund 40 Prozent der chinesischen Erdölimporte passierten sie zuletzt. Obwohl China über gut gefüllte Lager verfügt, schätzen Experten deren Dauer auf vier bis sechs Monate. Ein andauernder Konflikt würde jedoch Chinas Wirtschaft beeinträchtigen.
Die Treibstoffpreise sind gestiegen, und der Exportüberschuss sank im März um die Hälfte gegenüber dem Vorjahr. Bleibt die Meerenge blockiert, droht einem exportorientierten Land wie China ein Rückschlag. Zwar könnten die Solarindustrie und Elektroautohersteller von höheren Treibstoffpreisen profitieren, doch würden anhaltend hohe Ölpreise die Kaufkraft in wichtigen Märkten verringern. Dies würde dazu führen, dass Menschen weniger chinesische Produkte kaufen können.
Obwohl China und Iran eine strategische Partnerschaft pflegen, bleibt Chinas Einfluss beschränkt. Peking ist Irans grösster Handelspartner und kauft bis zu 90 Prozent seines Erdöls ab. Trotzdem kommen viele versprochene Investitionen im Iran nur schleppend voran, bedingt durch US-Sanktionen und die Zurückhaltung chinesischer Staatsunternehmen. Teheran ist ein Partner für Peking, doch diese Partnerschaft hat Grenzen.
China strebt danach, nicht in den Konflikt hineingezogen zu werden; militärische Unterstützung für den Iran gilt als unwahrscheinlich. Das Aussenministerium wies Berichte über Waffenlieferungen zurück und US-Präsident Trump drohte mit der Einführung von 50 Prozent Zöllen, sollte dies geschehen.
In vier Wochen ist Präsident Trumps Besuch in Peking geplant, der bereits verschoben wurde, weil des Iran-Krieges. Dieses «G2-Treffen» ist von grosser Bedeutung. Die USA sind eine Macht, die China immer wieder vor Herausforderungen stellt. Es besteht die Hoffnung, Handelshemmnisse abbauen zu können.