Im Jahr 2027 sollen Wildtier-Skulpturen aus Holz in Zürich Besucher zu Geschäften und Restaurants locken. Die Aktion, initiiert von der City-Vereinigung, spiegelt den öko-sozialen Zeitgeist wider.
Ein Relikt aus dem Sommer 1998 ist immer noch präsent: auf einem Balkon des Hotels Adler im Niederdorf thront eine bunt bemalte Kuh aus Fiberglas. Ähnliche Exemplare finden sich vor dem Restaurant Werdguet und der “Blinden Kuh” in Seefeld. Viele fanden zudem ein Zuhause in Privatgärten.
Die damalige Idee des Designers Beat Seeberger, die als “Cow Parade” bekannt wurde, war äußerst erfolgreich und inspirierte Nachahmer in Städten wie Chicago, New York und Madrid. Die letzte solche Aktion fand 2025 in San Antonio statt.
In den nachfolgenden Jahren wurden Zürichs Innenstadt mit Teddys, bunt bemalten Bänken oder riesigen Pflanzentöpfen dekoriert – jedoch ohne vergleichbaren Erfolg. Die Ausstellung von 2005 stieß auf Vandalismus; ein Teddy namens “Bärvers” erregte Aufsehen und wurde wegen seiner ungewöhnlichen Kleidung ausgeschlossen. Zudem wurden fünf Teddys in einer nächtlichen Aktion gestohlen, um gegen Sonntagsverkäufe zu protestieren.
Für 2027 plant die City-Vereinigung nun eine neue Sommeraktion mit Holzskulpturen von Wildtieren wie Füchsen, Dachsen, Eulen und Feuersalamandern. Diese Skulpturen, gefertigt vom Künstlerkollektiv Laborraum-Pioleto in Uster und Wetzikon, sollen die Artenvielfalt im städtischen Raum hervorheben. Das Holz für die Tiere stammt aus der Region und ist recycelbar.
Geschäfte können sich an der Aktion beteiligen und bis zum 1. Mai ein Tier für 2950 Franken erwerben, danach zu einem Preis von 3950 Franken. Der Geschäftsführer Dominique Zygmont versichert, dass die Investition sich lohnen wird, da sie mehr Besucher in die Läden locken soll. Die Aktion hat ein Budget von rund einer Million Franken.
Im Gegensatz zu früheren Aktivitäten können nun Geschäfte aus der gesamten Stadt teilnehmen. Derzeit stehen 15 verschiedene Tiere zur Auswahl; Spezialanfertigungen sind möglich, sofern die Tierart in Zürich vorkommt. Ein Juwelier hat sich eine Elster gewünscht, ein Symbol für das Stehlen von Schätzen.
Nicolas Kern, Präsident von Gastro Stadt Zürich, ist an einem Wildschwein interessiert, während Nicolas von Graffenried die Igel begeistern. Letztere sollen in Herden auf öffentlichen Plätzen wie dem Lindenhof oder am Paradeplatz platziert werden. Jede Herde wird von Sponsoren finanziert.
Die Stadt hat grünes Licht für eine Bewilligung gegeben, jedoch sind außergewöhnliche Standorte wie bei der “Cow Parade” nicht vorgesehen. Die Produktion startet diesen Sommer; es gibt Kapazität für 200 Tiere. Diese werden an Geschäfte oder Sponsoren vergeben, während Privatpersonen auf eine Warteliste gesetzt wurden.
Im Gegensatz zu den Kühen und Teddys sind die Wildtiere nicht dauerhaft gedacht; sie werden mit der Zeit verwittern – ein nachhaltiger Ansatz.