Autokolonnen, stolze Hizbullah-Vertreter und verärgerte Christen prägen die Stimmung im Südlibanon nach der Feuerpause mit Israel. Kurz hinter Sarafand ist eine Autobahn nicht mehr passierbar; Geröll bedeckt die Straße, wo zuvor Bodenwellen und Löcher waren. Eine junge Frau mit Kopftuch und roter Lippenfarbe warnt: «Die Israelis haben die Brücke gesprengt», ehe sie lachend weiterfährt.
Trotz anderer Routemöglichkeiten sind auch andere Wege nach Süden blockiert, was zu Staus führt. Lastwagen mit Matratzen und Toyotas voller alter Männer mit Gepäck auf dem Dach dominieren die Szene; aus Geländewagen dröhnen Hizbullah-Songs.
Nach der Waffenruhe zwischen Israel und Hizbullah, die in der Nacht auf Freitag begann, scheint Libanon in Bewegung. Etwa 1,2 Millionen schiitische Flüchtlinge steigen ins Auto, um ihre sonnenverbrannten Heimatorte zu erreichen, die sie bei Kriegsausbruch verlassen mussten.
Die Rückkehrer erwarten jedoch schwierige Zeiten: Zerstörte Infrastruktur durch israelische Luftangriffe lässt Wasserwerke und Stromnetze versagen. Viele dürften nur Ruinen vorfinden, während einige Dörfer im tiefen Süden unter israelischer Kontrolle bleiben.
Die Verantwortung für die Misere teilen sich sowohl Israel als auch der Hizbullah, dessen Entscheidung, an der Seite Irans gegen Israel zu kämpfen, Libanon in Not stürzte. Trotzdem preist die Miliz den Waffengang als göttlichen Sieg und feiert mit Panzerfäusten.
Hizbullah-Vertreter wie Ali Fayyad, ein Abgeordneter aus Nabatäa, zeigen sich siegesgewiss. Er kündigt an, Verstöße gegen die Waffenruhe nicht hinzunehmen und lehnt direkte Verhandlungen mit Israel sowie die Entwaffnung der Truppen ab.
Die Bewohner von Nabatäa inspizieren Schäden: Die Hauptstraße liegt in Trümmern, zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre. Ein junger Rückkehrer aus Beirut findet den Halt an einem Waffenstillstand unakzeptabel und hätte weiteren Kampf gewünscht.
Ein Freund hingegen sieht einen Sieg, möchte jedoch das Ende des Krieges. Er unterstützt direkte Verhandlungen zwischen Israel und Libanon.
Die schiitischen Bewohner Südlibanons sind größtenteils dem Hizbullah treu geblieben, während die christliche Minderheit seine Entwaffnung fordert. Bassam Lahad, ein Lehrer aus Marjayoun, plädiert für eine einzige Armee im Land.
Khiam bleibt verlassen; Israels Armee hat es eingenommen, und Hizbullah-Kämpfer haben sich verschanzt. Die libanesische Armee hält die Ortschaft abgesperrt, während junge Männer erfolglos um Zutritt bitten, um nach Hause zu gehen.