Die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) übergibt das Gemälde “Thunersee mit Blüemlisalp und Niesen” von Ferdinand Hodler an die Nachfahren der ehemaligen Eigentümerin. Laut einer Medienmitteilung der Unabhängigen Kommission SKKG vom Montag wurde dieses Kunstwerk 1941 in Genf unter Zwang verkauft.
Martha Nathan, eine Jüdin, die 1937 aus Deutschland über Frankreich nach Genf floh und dort eine befristete Aufenthaltserlaubnis erhielt, war die Besitzerin des Gemäldes. Sie musste alle sechs Monate Nachweise erbringen, dass sie genug finanzielle Mittel besaß, ansonsten drohte ihre Ausweisung in das von den Nazis besetzte Frankreich.
Die Kommission kam zu dem Schluss, dass der Verkauf des Gemäldes unmittelbar mit dieser Zwangslage zusammenhing. Diese Einschätzung ist ein Präzedenzfall: Obwohl der Verkauf in der Schweiz stattfand und nicht in Nazi-Deutschland, sei es laut Kommission als erzwungen zu betrachten. Auch Verkäufe in Drittstaaten können NS-verfolgungsbedingt sein.
Das Bild war seit 1998 im Besitz der SKKG, die die Sammlung des verstorbenen Winterthurer Kunstsammlers Bruno Stefanini verwaltet. Diese Sammlung steht aufgrund lückenhafter Provenienzen unter stetiger Prüfung. Seit 2023 führt die Stiftung eine systematische Überprüfung der Herkunft ihrer Werke durch.
Die Einigung wurde am 10. März 2026 in Zürich erreicht. Das Gemälde wird zudem in einer Ausstellung über jüdische Sammlerinnen und Sammler in Hamburg präsentiert. Die Geschichte von Martha Nathan wird darüber hinaus in einem publizierten Werk dokumentiert.
Radio SRF2 Kultur, Kultur Kompakt, 4.5.2026, 12:03 Uhr.