Eine neu veröffentlichte Studie der Universität Valencia stellt die bisher als gesichert geltende Annahme in Frage, dass Einsamkeit das Risiko für Demenz erhöht. Die Forscher untersuchten Daten von über 10.000 Teilnehmern der europäischen Share-Studie und fanden heraus, dass einsame Menschen ihre geistigen Fähigkeiten nicht schneller einbüßen als andere. Dies steht im Gegensatz zu früheren Studien, die Einsamkeit als Risikofaktor für Demenz identifizierten.
Trotzdem kritisieren Experten die neue Untersuchung. Iris Blotenberg vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen bemängelt das Design der Studie, da nur einmal mit drei Fragen zur Einsamkeit befragt wurde und keine ärztliche Überprüfung durchgeführt wurde. Sie weist darauf hin, dass die tatsächlichen sozialen Aktivitäten der Probanden unklar bleiben.
Bogdan Draganski von der Universitären Interdisziplinären Memory Clinic betont das Problem der eindeutigen Definition und Messung von Einsamkeit in solchen Studien. Er stellt die Frage, ob kognitive Probleme zu sozialer Isolation führen oder umgekehrt.
Frühere Forschungen haben gezeigt, dass soziale Beziehungen das Demenzrisiko senken können, indem sie verschiedene Bereiche des Gehirns beanspruchen und somit seine Funktionen trainieren. Soziale Interaktionen fördern auch gesündere Lebensweisen, die sich positiv auf die Hirngesundheit auswirken. Darüber hinaus reduziert ein starkes soziales Netzwerk Stress und chronische Entzündungen, welche mit Demenz in Verbindung stehen.
Trotz der Unklarheiten über die Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Einsamkeit und kognitivem Abbau bleiben Empfehlungen bestehen: Menschen sollten soziale Kontakte pflegen, um ihre Hirngesundheit zu schützen.