Die deutsche Bundeswehr steckt mehr als 320 Millionen Euro in die Sanierung einer ehemaligen NS-Ordensburg im Allgäu, während sie den Standort gleichzeitig für die Öffentlichkeit abschirmt. Diese Investition wirft Fragen auf, insbesondere angesichts der belasteten Geschichte des Ortes.
In Sonthofen wird seit Jahren eine Kaserne renoviert, deren Zugang stark eingeschränkt ist. Die Generaloberst-Beck-Kaserne liegt imposant am Kalvarienberg und ist durch Bauzäune und Schilder mit dem Vermerk «Militärischer Bereich. Unbefugtes Betreten verboten» abgesperrt. Das architektonische Ensemble, das unter Denkmalschutz steht, sollte ursprünglich als nationalsozialistische Elite-Schmiede dienen.
Die Anlage wurde 1934 errichtet und war Teil einer Reihe von Ordensburg-Projekten im Deutschen Reich. Neben Sonthofen gab es in der Eifel (Vogelsang) und in Pommern (Krössinsee) weitere solche Burgen, die durch ihre massiven Natursteinfassaden und strenge Symmetrien gekennzeichnet sind.
Diese Bauwerke sollten symbolische Dauerhaftigkeit verkörpern. Die nationalsozialistischen Architekten nutzten sie als Mittel zur politischen Einflussnahme, um Autorität zu demonstrieren. Der zentrale Innenhof der Sonthofener Anlage diente dazu, Menschenmengen sichtbar und kontrollierbar zu machen.
Die Frage stellt sich: Warum investiert die Bundeswehr in ein historisch belastetes Gebäude statt auf einem neuen Standort? Die NZZ versuchte, mit der Bundeswehr über diese Nutzung zu sprechen, doch eine Besichtigung wurde mehrfach verwehrt.
Von außen betrachtet, beeindruckt die Anlage mit ihren Arkaden und massiven Mauern. Ein 42 Meter hoher Turm auf dem Gelände ist schmucklos und funktionslos. Gelegentlich sind hier Soldaten und Bauarbeiter zu sehen.
Die NSDAP hatte für die Ausbildung ihrer Kader einen strengen Tagesablauf vorgegeben, der Disziplin und kollektive Ordnung fördern sollte. Die Anlage selbst war so konzipiert, dass sie diese Ideale widerspiegelte.
Adolf Hitler besuchte die Burg am 23. November 1937 für die Einweihung des ersten Bauabschnitts, was als symbolische Verbindung zum Herzen der Region gesehen wurde. Hier sprach er über seine Vorstellungen eines Nationalsozialisten und nutzte den Ort für zentrale Selbstdarstellungen seines Regimes.
Die Anlage spielte auch während des Krieges eine wichtige Rolle, als Heinrich Himmler hier im Jahr 1944 vor Offizieren sprach. Ursprünglich als Schulungsstätte gedacht, wurde sie später für Adolf-Hitler-Schulen genutzt.
Die Gebäude in Sonthofen dienten nach dem Krieg zunächst den Franzosen und dann den Amerikanern, bevor die Bundeswehr 1956 einziehen konnte. Diese Nutzungskontinuität ist typisch für viele NS-Bauten in Deutschland, bei denen oft pragmatisch vorgegangen wurde.
Jüngst diskutierten Historiker über die Geschichte und Wahrnehmung der Generaloberst-Beck-Kaserne. Der Sonthofener Historiker Jörg Zedler beschrieb den langjährigen Mangel an Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit, während Forschungen zu NS-Ordensburgen noch nicht abgeschlossen sind.
Die Bundeswehr möchte die Anlage offenbar nicht aufgeben, um ein Missbrauchspotenzial durch Extremisten zu verhindern. Trotz der langen Sanierungsdauer plant sie, Teile des Komplexes bald wieder in Betrieb zu nehmen.