Daten sind unverzichtbar für moderne Kriegsführung, was Tech-Konzerne zu entscheidenden Akteuren macht. Die Rolle dieser Firmen wurde besonders deutlich bei den US-Luftangriffen auf Iran, wo Unternehmen wie Google, Amazon und Microsoft durch ihre KI-Modelle und Cloud-Dienste involviert waren.
Im Nahen Osten haben Tech-Firmen zu militärischen Zielen avanciert. Nach Angriffen iranischer Revolutionswächter auf Amazon-Rechenzentren in den VAE und Bahrain hat Iran eine Liste mit 18 amerikanischen Tech-Unternehmen veröffentlicht, die er als legitime Ziele ansieht. Diese Unternehmen arbeiten eng mit dem US-Militär zusammen.
Durch ihre Beteiligung an der Kriegsführung wandeln sich diese Firmen von rein zivilen zu teilweise rüstungsähnlichen Unternehmen, was neue Risiken birgt. Der Ukraine-Krieg zeigt die Bedeutung von Daten: Die ukrainische Armee nutzte die Plattform Delta für eine Echtzeit-Datenanalyse und schnelle Reaktion.
Die Infrastruktur zur Datenerfassung umfasst Glasfaser- oder Kupferkabel, Funk und Satelliteninternet. Das Zugriff auf Starlink bietet der Ukraine einen Vorteil durch stabile Kommunikation bei hoher Datenübertragungsrate.
Rechenzentren sind nun wichtige militärische Ziele geworden. So wurden während eines ukrainischen Drohnenangriffs im Februar ein Rechenzentrum sowie andere kritische Infrastrukturen angegriffen.
Datenfluss ist für moderne Armeen genauso essenziell wie Nahrungsmittel oder Munition. Die zunehmende Bedeutung von KI verändert die traditionelle Zusammenarbeit zwischen Militär und Rüstungsunternehmen, da die Abhängigkeit der Armeen von Tech-Firmen wächst.
Im Herbst 2022 blockierte Starlink eine geplante ukrainische Drohneneinsatz auf der Krim. In den USA ist diese Problematik geringer, da viele wichtige Technologieunternehmen amerikanisch sind und politischer Druck einfacher ausgeübt werden kann.
Zivile Dienste können zu legitimen Angriffszielen werden, was die Gefahr von Kollateralschäden erhöht. So wurden beim Ukraine-Krieg auch internationale Infrastrukturen betroffen.
Für Tech-Firmen entstehen neue Risiken: Sie verlieren ihre Unabhängigkeit durch Rüstungszulieferungen, was zu militärischen oder Cyberangriffen führen kann. Kritik an der Zusammenarbeit mit Regierungsprojekten führte bei Google 2017 zum Rückzug aus dem Verteidigungsprojekt Maven.
Der Gaza-Krieg Ende 2023 brachte Microsoft in die Schlagzeilen, als es Verträge mit Israel wegen Missbrauchs von Cloud-Servern aufkündigte. In den USA wird Widerstand gegen die Regierung riskant: Anthropic erlitt finanzielle Einbußen und wurde als nationale Sicherheitsrisiko eingestuft.
Künstliche Intelligenz, Datenverarbeitung und Kommunikation sind strategisch entscheidend für Staaten in Konflikten. Technologie ist politisch nicht neutral, was den Tech-Konzernen erhebliches Risiko bringt. Die geopolitischen Entwicklungen stellen ein unternehmerisches Risiko dar, während die Politisierung von Technologie eine Gefahr für Wirtschaft und Gesellschaft bedeutet.
Die zunehmende Verflechtung mit militärischen Anforderungen macht Tech-Unternehmen politisch angreifbar. Ihre Unabhängigkeit schwindet, was ihre Rolle in der globalen Politik verändert.