Ein frischer und ansprechender Schweizer Familienfilm ist endlich da: Regisseurin Natascha Beller spricht über die Herausforderungen beim Dreh mit Kindern sowie Probleme der Filmförderung.
Für all jene, denen es in diesen Wochen noch zu kalt für den ersten Besuch im Freibad erscheint, bietet die Komödie «Plitsch Platsch Forever!» einen Vorgeschmack auf Sommergefühle. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe Kinder um die elfjährige Pola (Neah Hefti), deren beste Freundin Polly (Zazie Mawete) nach Kanada gezogen ist, und ihr Kampf um die Rettung der Badi im fiktiven Dorf Rotwil.
Der Film zeichnet sich aus als origineller Schweizer Kinderfilm, der kurzweilig, witzig und berührend zugleich ist. Er vermittelt spielerisch Elemente direkter Demokratie: Die Kinder starten nach einem gescheiterten Naturschutz-Versuch eine Petition, um die Badi zu retten. So werden Themen wie Sparmassnahmen, politische Enttäuschungen und Sachzwänge aufgegriffen.
Natascha Beller, die Regisseurin des Films, erkennt ihre eigene Kindheit im Film wieder: «Ich fühlte mich genauso traurig wie Pola», sagt sie. Ihre Leidenschaft für das Wasser spiegelt sich in ihren Erinnerungen an Synchron-, Rettungs- und Leistungsschwimmen wider. Besonders berührt hat sie die Botschaft, dass auch Kinder politische Veränderungen bewirken können.
Im Zürcher Volkshaus strahlt Beller vor Lachen. Bekannt ist sie als Autorin der SRF-Satiresendung «Deville» und für ihre Komödie «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei». Für Erwachsene hat sie Anspielungen auf Wes Anderson oder Jacques Tati im Film versteckt.
«Plitsch Platsch Forever!» ist Bellers erster Kinderfilm, obwohl sie nicht ausschliesst, in Zukunft einen weiteren zu drehen. Sie nutzte dafür eine Weiterbildung in Amsterdam mit «einer Million Tipps», um das Arbeiten mit Kindern zu meistern.
Für die Crew auf dem Set gab es klare Regeln: keine laute Sprache oder ständige Handy-Nutzung, stattdessen Vorbildfunktionen für die Kinder. Diese Massnahmen sorgten für eine positive Stimmung auch bei den Erwachsenen. Klar definierte Strukturen waren wichtig, um zu unterscheiden zwischen konzentriertem Arbeiten und spielerischen Pausen.
Beller hat Freundschaftsbücher gestaltet, damit die Kinder während der Umbauphasen beschäftigt bleiben und nach Drehende in Kontakt bleiben können. Ihre fünfjährige Tochter fand es interessant, wie man einen Traum filmen könne.
Die Hauptdarstellerin Neah Hefti wird bereits für ihre nächste Rolle als Heidi gecastet. Beller lobt ihren Mut und gab ihr den Ratschlag: «Lerne auch zu sagen ‹Nein›, wenn du etwas nicht willst.»
Trotzdem hofft Beller nicht, dass ihre Tochter Schauspielerin wird. Die Enttäuschungen beim Casting seien schwer auszuhalten.
Der Film könnte zum Schweizer Publikumserfolg werden, obwohl Kinderfilme hierzulande oft schwierige Zeiten haben. Traditionell sei das Genre nicht so verankert wie in Schweden oder Tschechien. Zudem ist die Förderung von lustigen Kinderfilmen problematisch: «Problemfilme» überwiegen in den Fördergremien.
Die Finanzierung eines Films erfordere Unterstützung aus drei Quellen, was oft Mittelmass fördere und Risikofilme ausschliesse. Bellers Kritik richtet sich an das Schweizer System: «Ein Film, der extrem gut oder sehr schlecht sein könnte, hat keine Chance.»