US-Präsident Donald Trump hat eine Verschärfung seiner Maßnahmen gegen den Iran angekündigt, ohne jedoch eine Strategie zur Öffnung der Meerenge von Hormuz vorzulegen. Der Ölpreis ist daraufhin erneut gestiegen. Historisch betrachtet könnte es sich lohnen, im Energiesektor zu investieren.
Dieser Artikel stammt aus dem digitalen Finanzmagazin «The Market NZZ».
Der Nahostkonflikt wird sich laut US-Präsident Donald Trump in den nächsten Wochen intensivieren. In einer am Mittwochabend gehaltenen Rede an die amerikanische Bevölkerung kündigte er an, dass die US-Streitkräfte Iran «extrem hart treffen» würden und das Land «zurück in die Steinzeit schicken». Die rund 19-minütige Ansprache konzentrierte sich hauptsächlich auf eine Zusammenfassung des bisherigen Kriegsverlaufs, ohne detaillierte strategische Ziele zu nennen. Trump versicherte, dass der Transportweg durch die Meerenge von Hormuz «auf natürliche Weise» wieder geöffnet werde und forderte europäische Länder auf, sich das Öl selbst zu sichern.
Trump bestätigte frühere Aussagen, den Krieg in zwei bis drei Wochen beenden zu wollen, wobei die Möglichkeit eines Bodentruppen-Einsatzes besteht. Verhandlungen mit dem Regime in Teheran liefen, doch ein Waffenstillstand sei erst in Betracht gezogen, wenn der Schiffsverkehr durch Hormuz «offen, frei und passierbar» sei.
Die Marktreaktion auf Trumps Rede fiel negativ aus: Der Preis für Brent-Öl stieg am Donnerstag um etwa 5 Prozent auf über 105 Dollar. Die Aktienmärkte reagierten ebenfalls mit Abwärtsbewegungen.
Nach einer vorübergehenden Beruhigung, die Hoffnungen auf eine Normalisierung des Schiffsverkehrs geweckt hatte, kehrte die Nervosität an den Märkten zurück. Der Dollar schwächte sich ab und die Renditen am Bondmarkt sanken aufgrund geringerer Inflationssorgen. Während Energieaktien von der Eskalation profitierten, gerieten Technologieunternehmen unter Druck; zuvor hatten sie mit starken Kursgewinnen überzeugt.
Es könnte sich lohnen, dieses Verhaltensmuster weiterhin im Auge zu behalten, da es sich auch auf längere Zeiträume erstreckt. Mehrjährige Zyklen zeigen: In Wachstumsphasen dominieren Technologieaktien, während Realwerte aus Energiesektoren zurückbleiben und umgekehrt.
Aktuell könnte ein weiterer Regimewechsel stattfinden. Nach der Finanzkrise prägte niedrige Zinspolitik den Tech-Sektor; die Pandemie förderte Energieaktien, gefolgt von einem Boom in künstlicher Intelligenz.
Angesichts einer instabilen Weltordnung, anhaltender Inflation und verschärfter Ressourcenkämpfe könnten Realwerte bevorzugt werden. Die Rotation begann Ende Oktober, als die Risiken von KI-Entwicklungen für Tech-Konzerne deutlich wurden. Der Ölpreis stabilisierte sich Ende 2025, und der Energiesektor gewann nach militärischen Aktionen in Venezuela an Dynamik. Der Nahostkonflikt könnte diesen Trend verstärken, wobei ein amerikanischer Ölkonzern zu den stärksten weltweiten Aktien zählt, wie «The Market» regelmäßig herausfiltert.