Im Kanton Uri unterstützt der private Verein Association Equilibre speziell Frauen über 26 Jahren, die vor Flucht standen. Diese Frauen erhalten gezielte Förderung durch Berufslehren, da fehlende Sprachkurse und Kinderbetreuung ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt einschränken. Laut einer Datenanalyse der NZZ finden Flüchtlinge häufiger Jobs in der Schweiz, doch Frauen und junge Menschen sind unterrepräsentiert. Eine Studie des Staatssekretariats für Migration aus 2024 zeigt traditionelle Geschlechterrollen, mangelnde Kinderbetreuung und eine männerzentrierte Förderung als Hindernisse auf. Yvonne Herzog und ihr Mann Franz Huber leiten das Projekt in Uri. Herzog, Vorstandsmitglied von Association Equilibre, betont die Notwendigkeit einer gezielten Integration für ältere Frauen. Der Verein ermöglichte sechs Frauen über vier Jahre hinweg eine Berufslehre. Beatrice aus Kolumbien berichtet: “Die Sprache war anfangs das größte Hindernis, doch durch Deutschkurse und Mentoring konnte ich meine Ausbildung im Textilbereich erfolgreich abschließen.” Amene aus Afghanistan profitierte von der Isolation überwindenden Kontakte zu Schweizerinnen und Schweizern. Die Teilnehmerinnen brachten unterschiedliche Voraussetzungen mit; drei hatten eine gute Bildung, während andere erst in der Schweiz Lesen und Schreiben lernten. Association Equilibre finanziert die Kinderbetreuung und unterstützt traumatisierte Frauen durch spezielle Betreuungskonzepte. Eine Teilnehmerin arbeitet bei der von Herzog und Huber gegründeten JLT Company AG, die Taschen aus Recyclingmaterialien produziert. Die Lehre bietet den Frauen weit mehr als nur berufliche Qualifikationen – sie fördern Selbständigkeit und neue Lebenskompetenzen. Sie erhalten Unterstützung in Deutsch, Allgemeinbildung und Mathematik durch Mentoren, meist pensionierte Lehrer. Die Finanzierung des Projekts überstieg die Budgetierung von 475 000 Franken auf 626 000 Franken, hauptsächlich bedingt durch verlängerte Ausbildungswege. Die Hirschmann-Stiftung und private Spender finanzieren das Projekt, das mit kantonalen Ämtern und anderen Institutionen zusammenarbeitet. Nach Abschluss der aktuellen Förderphase beginnt im Sommer ein neues Programm für sechs weitere Migrantinnen. Herzog und Huber sind erfreut über die kontinuierliche Unterstützung durch kantonale Ämter und lokale Partner, was den Kanton Uri zu einer Region mit hoher Erwerbstätigenquote bei Geflüchteten macht.