Die Diskussion um Patrick Fischers Fall ist weiterhin emotional geprägt. Einige Fans wünschen sich seine Rückkehr und messen seinen sportlichen Erfolgen mehr Bedeutung bei als dem Vorwurf der gefälschten Covid-Zertifikate und Lügen.
Auch eine Woche nach seiner öffentlichen Entschuldigung wird Fischers Fall leidenschaftlich debattiert. Fast täglich äußern sich Experten – von Medien- über Politikexperten bis hin zu Kritikern der Corona-Maßnahmen – oft mit kritischem Blick auf Fischer und den Sport Eishockey.
Am Dienstagabend wird der Fall im SRF-Programm “Club” behandelt; die Redaktion musste bei der Auswahl der Gäste mehrere Absagen verarbeiten. Der Fall hat die Spaltung während der Corona-Zeit erneut verstärkt. Einige sehen in Fischer einen symbolischen Märtyrer, doch Impfgegner dürften unter seinen Unterstützern wenige sein. Dennoch haben einige Drohbriefe und Anrufe bei Swiss Ice Hockey eingesetzt.
Fischer erfährt Solidarität aus unterschiedlichen Kreisen, während viele die Berichterstattung des SRF kritisieren. Die Frage, ob ein Journalist das Vertrauensverhältnis zum Trainer missbrauchte, wirft ethische Bedenken auf. Auch das Timing der Enthüllung durch den SRF, unmittelbar nach Fischers Auszeichnung als “Trainer des Jahres”, wird hinterfragt.
Zentrales Thema ist nicht so sehr die Impffrage, sondern ob ein Nationaltrainer seinen Arbeitgeber, die Öffentlichkeit und die Spieler über einen längeren Zeitraum täuschen darf. Fischer wurde im Kanton Luzern 2023 wegen Urkundenfälschung mit einer Busse von knapp 39.000 Franken belegt. Wäre das Delikt damals bekannt geworden, hätte er seinen Posten wohl schon früher verloren.
Viele Unterstützer argumentieren auf sozialen Netzwerken, dass die Entlassung durch den Eishockeyverband unverhältnismäßig sei. Der 50-jährige Trainer hat seine Strafe bereits bezahlt; es wäre Zeit für eine zweite Chance. Viele Fans betonen Fischers Verdienste um das Schweizer Eishockey.
Für einige schmälert Fischers Abgang die Erfolgschancen der Schweiz, am 31. Mai in Zürich erstmals Weltmeister im Eishockey zu werden. Eine Petition für seine Wiedereinstellung hat fast eine Viertelmillion Unterschriften gesammelt, doch ihre Anzahl ist aufgrund von Mehrfach-Voten wahrscheinlich niedriger.
Der Wunsch, Fischer zumindest in einer anderen Rolle für die Heim-WM zu beteiligen, wurde an Swiss Ice Hockey herangetragen. Dies wird jedoch nicht passieren; eine Sperre durch den Weltverband IIHF ist ebenfalls möglich. Eine Untersuchung soll klären, wer im Verband wann von Fischers Handlungen wusste.
Die Klärung dieser Fragen ist wichtig, damit der neu ernannte Nationaltrainer Jan Cadieux ohne Ablenkung arbeiten kann. Fischer hat alle Medienanfragen abgelehnt und sich gut beraten lassen. Ein langjähriger Weggefährte betont, dass die Heim-WM nicht Fischers Turnier ist, sondern das der Spieler, Fans und der gesamten Hockey-Schweiz.
Das Nationalteam könnte sogar gestärkt aus der Affäre hervorgehen: Sollte Verteidiger Lian Bichsel vor dem WM-Start die NHL-Play-offs verlassen, bietet sich Cadieux die Möglichkeit, ihn zu nominieren. Seine Agent Frédéric Holdener äußert sich optimistisch über eine mögliche Nominierung für das Turnier.