Die jüngsten Angriffe auf die Energieinfrastruktur haben zu erheblicher Volatilität an den Finanzmärkten geführt. Während der Ölpreis nach iranischen Aktionen am Persischen Golf wieder über die Marke von 100 Dollar stieg, brachen Aktienkurse ein und Staatsanleiherenditen stiegen merklich. Seit Beginn der Spannungen in Iran dominiert Unsicherheit das Marktgeschehen, wobei Befürchtungen über einen globalen Inflationsschub zunehmen. So lange die Straße von Hormuz blockiert bleibt, ist mit keiner Beruhigung zu rechnen.
Für viele Anleger bedeutet diese Unsicherheit eine defensive Haltung: entweder abseits stehen, bestehende Positionen absichern oder in andere Sektoren umschichten. Doch für einige bietet die aktuelle Lage Chancen, durch den gestiegenen Ölpreis und volatile Kursverläufe zu profitieren. Krisenzeiten erfordern jedoch ein genaues Händchen, um sich richtig zu positionieren.
Hedge-Fonds, die auf hohe Volatilität spezialisiert sind, sehen in solch einem Umfeld ideale Bedingungen für komplexe Anlagestrategien. Diese Profi-Investoren können nicht nur auf steigende oder fallende Ölpreise wetten, sondern auch kurzfristige Preisbewegungen bei Aktien, Obligationen, Rohstoffen und Kryptowährungen ausnutzen.
Eine gängige Strategie ist der Einsatz von hybriden Optionen, die sich über verschiedene Vermögensklassen erstrecken. So können Manager beispielsweise gleichzeitig auf einen steigenden Brent-Ölpreis und einen fallenden Aktienindex wie den Stoxx-Europe 600 setzen. Die Logik dahinter ist, dass europäische Aktien oft im Gegensatz zum Ölpreis reagieren.
Laut Bloomberg waren diese Optionen bis Ende Februar nicht sehr beliebt, doch seit Kriegsbeginn fließt verstärkt Kapital in beide Richtungen. Dies deutet darauf hin, dass Händler die Spitzenpreise für Spekulationen nutzen. In einem solchen Marktumfeld sind Macro-Hedge-Funds wie Millennium Management, Citadel oder Andurand Capital besonders aktiv.
Einige Investoren versuchen zudem mit selektiven Aktienkäufen den Markt zu schlagen. Energieunternehmen profitieren von höheren Rohstoffpreisen, während konsumabhängige Branchen unter Druck geraten. Doch die einfache Wette auf Big-Oil-Aktien hat nicht überall zum Erfolg geführt. Nicht alle Ölproduzenten profitieren gleichermaßen von hohen Preisen.
Die Kurse großer Ölkonzerne wie Chevron, ExxonMobil, BP sowie europäischer Energiewerte wie Shell oder TotalEnergies sind im März kaum gestiegen. Paradoxerweise profitieren eher kleinere Produzenten mit höheren Produktionskosten stärker von den hohen Preisen.
Diese Zweiklassengesellschaft zeigt sich auch in den Aktienkursen: Ölsandproduzenten aus Kanada wie Suncor und Cenovus haben jüngst deutlich zugelegt. Auch Raffinerien und Petrochemiefirmen profitieren von Engpässen, ebenso wie teure Schieferölproduzenten in den USA.
Nicht nur Hedge-Funds sind aktiv; auch private Anleger wagen sich an fortgeschrittene Strategien heran. Manuel Dürr von Leonteq berichtet über das gestiegene Interesse an strukturierten Produkten mit Öl als Basiswert oder Aktien aus dem Energiesektor.
Anleger können mittels Call-Optionen auf steigende Ölpreise setzen oder direkt über ETFs in die Preisentwicklung investieren. Gemäß Bloomberg sahen solche Vehikel wie der United States Oil Fund hohe Zuflüsse, während auch Mini-Futures und gehebelte ETFs beliebt sind.
Obwohl nur Öl seit Kriegsbeginn zugelegt hat, spekuliert man nicht ausschließlich auf steigende Preise. Viele Investoren setzen auf einen temporären Anstieg und gehen Short-Positionen ein.
Auch die Kryptowährung Bitcoin erlebt in diesen Tagen eine Renaissance: Nach einem anfänglichen Einbruch stieg der Preis um fast 10 Prozent, was ihn als stabilere Anlage denn Gold oder Obligationen erscheinen lässt. Institutionelle Investoren meiden diese Vermögensklasse auch unter Stress nicht.
Trotzdem könnte die Bitcoin-Stärke nach Einschätzung von Saxo-Bank kurzlebig sein, da sie auch durch das Liquidieren von Short-Positionen bedingt ist. Die Stimmung im Krypto-Markt ist gemischt, da viele Investoren sich absichern.
Der Bitcoin hat sich besser geschlagen als Gold, die traditionelle Krisenwährung, die seit Beginn der Spannungen fast 5 Prozent verlor. Analysten sehen in Gold eher eine Absicherung gegen Währungsabwertungen und wirtschaftliche Folgen von Konflikten.
Der aktuelle Preisverlauf des Goldes ähnelt historischen Mustern: Nach einem Anstieg im Russland-Ukraine-Krieg fiel der Preis, als die US-Notenbank Zinsanhebungen zur Bekämpfung der Inflation beschloss – ein Muster, das sich auch während früherer Konflikte wiederholte.