Ein neuer Blick auf Wale und ihre Kommunikationsweisen offenbarte sich im Sommer 2020, als Touristenboote ausblieben. Christine Gabriele, eine Biologin, nutzte ein Unterwassermikrofon im Glacier-Bay-Nationalpark, um die Geräusche der Tiere in dieser seltenen Stille zu erfassen. Normalerweise heimsuchen Hunderttausende Besucher die Bucht, doch durch die Pandemie verschwand der Lärm von Kreuzfahrtschiffen und Tourbooten nahezu vollständig.
Gabriele erkannte in dieser stillen Umgebung das Potenzial für einzigartige Erkenntnisse über die Buckelwale, die jährlich aus Hawaii kommen und in der Bucht Nahrung suchen. Die Reduktion des Schallpegels um 50 Prozent während der Pandemie bot eine Gelegenheit zur Analyse von Walrufen ohne menschlichen Lärm.
Die Forscherin beschäftigte sich insbesondere mit den sogenannten “Whup”-Rufen, die als Kontaktrufe fungieren. Experimente zeigten, dass Wale auf diese Rufe reagierten. Im ruhigeren Jahr 2020 konnten Gabriele und ihre Kollegin Michelle Fournet feststellen, dass Wale leiser kommunizierten und vielfältige Laute nutzten.
Während der Touristensaison sind die Gewässer von Schiffslärm geprägt, doch im Juli 2020 waren Gabriele und ihre Kollegin die einzigen Menschen in der Bucht – abgesehen von einer Gruppe Buckelwale. Diese konnten nun beobachtet werden, wie sie sich verändertes Verhalten zeigten: Mütter schwammen weiter weg oder tiefer, um Krill zu suchen, während ihre Kälber in Sicherheit blieben.
Gabriele nahm die Laute der Wale auf und bemerkte, dass die Distanz, über welche sich Mutter und Kalb verständigen konnten, von 2,3 Kilometern auf mehr als das Zehnfache anstieg. Sie registrierte auch einen Anstieg der Sichtungen von Kälbern – ein Zeichen dafür, dass die Ruhe den Walfamilien zugutekam.
Die Forschungsergebnisse könnten zukünftige Regelungen für Whale-Watching beeinflussen, um die Lärmbelastung weiter zu reduzieren. Gabriele und Fournet schlagen vor, dass Boote im Konvoi fahren oder langsamer unterwegs sein sollten, um den Stress der Tiere zu minimieren.
Während sich das Whale-Watching in Glacier Bay aufgrund strikter Regeln besser kontrolliert lässt, könnte die Forschung auch Einfluss auf weniger regulierte Gebiete haben. Gabriele betont die Notwendigkeit eines Gleichgewichts zwischen menschlichen Aktivitäten und dem Schutz des Meereslebens.