Eine bemerkenswerte Koalition stellt die Reformen der Bildungselite infrage und plädiert für eine Rückkehr zu bewährten Konzepten. In der Schweiz scheint etwas aus dem Gleichgewicht geraten zu sein: Bekannt für seine erstklassigen Bildungsinstitutionen, steht das Land vor einem schulischen Abschwung. Nach der jüngsten Pisa-Studie haben die Schüler im Jahr 2022 – mit Ausnahme der Gymnasiasten – um rund einen Schuljahreswert schlechter abgeschnitten als noch zehn Jahre zuvor.
Die Gründe für diese Entwicklung sind unklar. Bildungsforscher Stefan Wolter äußerte im vergangenen Jahr in der NZZ: «Wir sind im Blindflug, was schlimm ist, weil wir zwingend besser abschneiden müssten.» Obwohl die Schweiz nie mehr Geld in die Bildung investiert hat – von 15,9 Milliarden Franken im Jahr 2010 auf 23,3 Milliarden im Jahr 2023 – und sich Klassengrößen sowie das Hilfsangebot erhöht haben, bleibt der Erfolg aus. Wolter fasst zusammen: «De facto sind wir in der Schweiz alle schlechter geworden.» Die Begriffe wie «Bildungskrise» werden zur Modeerscheinung.
Diese bedrückende Entwicklung hat einen bildungspolitischen Backlash provoziert, mit Forderungen nach einem Rückzug zu bewährten Methoden: Wissen anstelle von Kompetenzen, Lehrer als Autorität statt als Begleiter und Ablehnung des Frühsprachenunterrichts. Die Bildung ist ein Schlüsselthema für die Bürgerlichen, FDP und SVP geworden.
Im Zuge dieser Spannungslage kristallisieren sich auch unerwartete Allianzen heraus. Gegen eine reformfreudige progressive Bildungselite an den Pädagogischen Hochschulen (PH) formiert sich Widerstand. Eine der bemerkenswertesten Allianzen hat erst kürzlich Gestalt angenommen: ein bunt zusammengesetztes Team von Politikern, Lehrern und Experten – von SP bis SVP – mit dem ambitionierten Ziel, die Volksschule zu retten. Unter dem Namen «Wendepunkt Bildung» verbindet diese Gruppe das Bewusstsein für drängende Probleme im Schulsystem.
Bemerkenswerterweise herrscht Einigkeit unter den vielfältigen Mitgliedern, von Nidwaldner Bildungsdirektor Res Schmid (SVP) bis zum früheren SP-Basel-Präsidenten Roland Stark. Carl Bossard, Gründer der PH Zug, und erfahrene Primarlehrer wie Yasmine Bourgeois oder Christine Staehelin teilen diese Ansichten. Auch bekannte Persönlichkeiten wie Kinderpsychologe Allan Guggenbühl unterstützen die Gruppe.
Das Bündnis setzt auf eine Rückkehr zu den Grundprinzipien: Schule als Ort, an dem Kinder von verantwortungsvollen Erwachsenen unterrichtet werden. Es geht um elementare Fähigkeiten wie Lesen, korrektes Schreiben und Rechnen. Die Kritik richtet sich gegen die Überfrachtung des Unterrichts durch zahlreiche Reformen, welche Lehrkräfte überfordern und den Lernerfolg mindern.
Die Gruppe «Wendepunkt» wird ihr Manifest für einen «bildungswirksamen Unterricht» bald vorstellen. Ob dieses Bündnis jedoch in der Lage ist, den Diskurs zu prägen oder tatsächlich Veränderungen herbeizuführen, bleibt ungewiss – ähnlich wie die Lösung der Bildungskrise selbst.