Am Mittwoch, dem 21. März, soll die Wiederaufnahme des Betriebs im Kernkraftwerk Gösgen in Däniken (SO) stattfinden, das fast ein Jahr lang stillgelegt war. Dies geschah aufgrund einer Kritik am Wasserversorgungssystem während der letzten Revision. Diese lange Stilllegungsphase führte zu erheblichen finanziellen Einbußen sowohl für die Aktionäre als auch für den Kanton Solothurn, wie ein unabhängiger Bericht offenbarte, der auch frühere Schwachstellen im Anlagenbetrieb seit 1979 ans Licht brachte.
Normalerweise produziert das Kraftwerk jährlich etwa 8 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom und deckt damit rund 13 % des Schweizer Energiebedarfs. Ursprünglich sollte die Anlage nur für die routinemäßige Jahresrevision abgeschaltet werden, doch Ende Mai 2025 wurde ein Eingriff notwendig, um einem möglichen Überdruck im Wasserrohrsystem bei Ausfällen vorzubeugen.
Die Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG (KKG), der Betreiber, musste aufgrund von Wartungsarbeiten die Wiedereinschaltung mehrmals verschieben. Erst am 9. Februar wurde bekannt gegeben, dass das Reaktorblock am 21. März in Betrieb genommen wird, nachdem die Eidgenössische Nuklearaufsichtsbehörde (ENSI) dies genehmigt hatte. Die ENSI forderte zusätzliche Sicherheitsnachweise von der KKG, was mehr Zeit als erwartet dauerte.
Der Verwaltungsrat der KKG kündigte am Montag das Betriebsergebnis für 2025 an, vor dem bevorstehenden Generalversammlungstermin am 8. Juni. Das Kraftwerk produzierte im Vorjahr nur 3’428 Millionen kWh – etwa 5 % des Schweizer Stroms – im Vergleich zu den 7’994 Millionen kWh von 2024.
Der Zwangsstopp führte daher zu erheblichen finanziellen Verlusten für die Aktionäre, darunter Alpiq, Axpo, CKW und EWB, die zusätzlich auf dem Markt nachkaufen mussten. Im Sommer gab Alpiq bekannt, dass sie allein im zweiten Halbjahr 2025 einen negativen Einfluss von 140 bis 160 Millionen Franken auf das operative Ergebnis erwartet. Laut einer Mitteilung an AWP rechnete der Energieanbieter aus Lausanne für 2026 mit zusätzlichen Kosten in Höhe von etwa 60 Millionen Franken, ohne dass dies die Endverbraucherpreise direkt beeinflussen werde.
Axpo, das insgesamt 37,5 % hält, geht von einem Ausfallrisiko von 150 bis 170 Millionen aus, verteilt auf die Geschäftsjahre 2024/25 und 2025/26. Doch nicht nur die Eigentümer spüren finanzielle Einbußen: Das lange Stilllegen führt auch zu Mindereinnahmen für den Kanton Solothurn. Der Regierungsrat geht davon aus, dass Alpiq im Jahr 2025 rund 6 bis 7 Millionen Franken weniger an Steuern zahlen wird.
Laut der Antwort des Regierungsrates auf Anfragen von Grünen und Jungsozialisten fehlen Einnahmen aus Wasserlieferungsabgaben zwischen 2,5 und 3 Millionen. Da das Kraftwerk nicht mehr mit Aare-Wasser für Kühlzwecke versorgt wird, entfallen diese Abgaben, die normalerweise bis zu 1,3 Millionen Franken pro Quartal generieren.
Zudem hat der lange Stillstand Sicherheitsbedenken aufgeworfen. Im Herbst beauftragte das Schweizerische Energie-Fonds (SES) eine unabhängige Untersuchung des Kraftwerks. Diese ergab, dass das Fehlen von Dämpfungssicherheitsventilen – die erst kürzlich eingebaut wurden – ein erhebliches Risiko seit dem Start darstellte. Die ENSI wies dies jedoch zurück und erklärte, dass dieser Punkt bereits 1998 durch den Vorgänger der Behörde angegangen wurde.
Greenpeace kritisierte die Verzögerungen bei den Überprüfungen: „KKG kann Probleme nicht länger herunterspielen“, sagte Florian Kasser von Greenpeace im letzten Sommer. Im Januar projizierten Aktivisten der Organisation auf das Kühlkraftwerk Bilder und Nachrichten, um auf eine angeblich jahrzehntelange Vertuschung einer Sicherheitslücke hinzuweisen.