In der Auenhalle von Aarau versammeln sich Frauen in bunten Saris und Männer in weissen Wickelröcken, um den Darbietungen tamilischer Kinder beizuwohnen. Rund 200 Zuschauer verfolgen die Tanz- und Musikvorführungen, die im Rahmen des dreißigjährigen Bestehens der lokalen tamilischen Schule präsentiert werden.
Nicht nur tamilische, sondern auch viele andere Migranten-Schulen bieten Kurse in heimatlicher Sprache und Kultur (HKS) an. Im Kanton Aargau sind solche Angebote in 22 verschiedenen Sprachen verfügbar, darunter Albanisch, Finnisch, Italienisch, Schwedisch, Tigrinya und Türkisch.
Die tamilische Schule in Aarau ermöglicht es Kindern, bis zu drei Stunden wöchentlich an Unterricht teilzunehmen. “Es ist mir äußerst wichtig, dass meine Kinder unsere Herkunft kennen und Tamil sprechen können, um mit Verwandten kommunizieren zu können”, erklärt Sajanthan Pararasasingam bei der Jubiläumsfeier. Er betont die Bedeutung der Muttersprache.
Janooya Thiruchelvam stimmt diesem Ansatz zu und teilt, dass ihre Kinder parallel zur Schweizer Schule auch tamilische Kurse besuchen. Sie unterstreicht: “Es ist wichtig, den Kindern diese Möglichkeit zu bieten; wie sie sich danach entwickeln, bleibt ihnen überlassen.”
Die Schule wurde von Parameswary Nadarajah gegründet und begann mit 3 Lehrkräften sowie 37 Kindern. Heute zählt die Schule 13 Lehrer und 78 Schüler, wobei das Ziel weiterhin darin besteht, den Kindern ihre Muttersprache beizubringen.
Über hundert tamilische Schulen sind in der Schweiz etabliert, mit einem Schwerpunkt in der Deutschschweiz. Laut Parthipan Kandasamy vom Institute of Languages and Culture liegt der Fokus auf Sprache und kultureller Bildung. Die Kinder nehmen ab dem Kindergartenalter für drei Stunden pro Woche teil.
Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich durch Schulbeiträge der Eltern, während Lehrkräfte ehrenamtlich tätig sind. Tamilische Schulen erhalten oft kostenlos Räumlichkeiten, wobei diese Unterstützung jedoch rückläufig ist. Im Kanton Aargau wird im Herbst das neue Volksschulgesetz in Kraft treten, welches die freiwillige Bereitstellung von Schulräumen für HSK-Kurse vorsieht.
Rund 60’000 Menschen tamilischer Herkunft leben derzeit in der Schweiz. Sie flohen vor dem bewaffneten Konflikt zwischen den Tamilen und der singhalesischen Mehrheit, der von 1983 bis 2009 andauerte und zu einer weltweiten Fluchtwelle führte.
Regionaljournal Aargau Solothurn, 16.3.2026, 17:30 Uhr